Roggenernte auf ehemaligem Todesstreifen

Deutschland spricht 2019
Roggenernte auf ehemaligem Todesstreifen

Berlin (epd). An der Kapelle der Versöhnung auf dem einstigen Todesstreifen der Berliner Mauer wird am Donnerstag wieder Roggen geerntet. Nach der Ernte des knapp einen halben Hektar großen Getreidefeldes an der Bernauer Straße in Berlin-Mitte wird das Roggenkorn für verschiedene Projekte eingesetzt, wie die Stiftung Berliner Mauer am Dienstag ankündigte.

Ein Teil der Ernte wird den Angaben zufolge im Rahmen des Projekts Friedensbrot nach Litauen geschickt. Dort wird es mit Getreide aus elf Ländern Mittel- und Südosteuropas, welches aus Roggensaatgut von der Bernauer Straße gewachsen ist, gemischt, gemahlen und zu einem gemeinsamen europäischen "FriedensBrot" verbacken. Weiterhin werden aus dem Roggenmehl Brote gebacken, die einmal wöchentlich an Besucher der Kapelle der Versöhnung ausgegeben werden. Das anfallende Stroh werde zur Verbesserung der Bodenqualität in den Boden eingearbeitet, hieß es.

Der Getreideanbau auf dem ehemaligen Todesstreifen und heutigen Mauer-Gedenkstättenareal geht auf ein temporäres Kunstprojekt im Jahr 2005 zurück, aus dem dann eine dauerhafte Einrichtung wurde. Seit 2006 liegt die Betreuung des Roggenfeldes in den Händen der Lebenswissenschaftlichen Fakultät der Berliner Humboldt-Universität.

Das Getreidefeld im ehemaligen Grenzstreifen sei ein wichtiges Element der Gedenkstätte Berliner Mauer, erklärte die Stiftung. Bereits im Frühjahr 1990 säten einige Ost-Berliner an dieser Stelle Lupinen aus. Später übernahmen Mitglieder der Evangelischen Versöhnungsgemeinde die Aussaat als Teil ihrer Gemeindearbeit. Im einstigen Todesstreifen sollte wieder etwas wachsen. Mittlerweile wird den Angaben zufolge seit 14 Jahren Getreide gesät, geerntet und nachhaltig verarbeitet.