Diskussion um Trisomie-Tests: Betroffene sollen beteiligt werden

Demo "Inklusion statt Selektion"

© epd-bild/Christian Ditsch

Auf der Demonstration "Inklusion statt Selektion" gegen vorgeburtliche Gen-Tests in Berlin im April 2019. In der bisherigen Debatte seien Menschen mit Beeinträchtigung und ihre Angehörigen kaum zu Wort gekommen, hieß es von den Veranstaltern. Dies solle sich durch die Demonstration ändern.

Diskussion um Trisomie-Tests: Betroffene sollen beteiligt werden
Die württembergische Landessynode hat über "Entscheidungen am Beginn und am Ende des Lebens" debattiert.

Diakoniechef Oberkirchenrat Dieter Kaufmann forderte dabei eine flächendeckende intensive Debatte vor der im Herbst geplanten Entscheidung über die Kassenfinanzierung von Bluttests auf Trisomie bei ungeborenen Kindern. Daran müssten Menschen mit Behinderung und ihre Familien beteiligt werden, sagte er am Donnerstag in Stuttgart

Im Unterschied zur Position von evangelischer Kirche und Diakonie auf Bundesebene spricht sich die württembergische Diakonie generell gegen die nichtinvasiven Pränataltests (NIPT) aus. Eine Kassenfinanzierung des Tests verbinde sich mit der Botschaft an werdende Eltern, ein Kind mit Trisomie sei ein zu vermeidendes Risiko. "Eine solche Botschaft der Solidargemeinschaft steht in Widerspruch zur UN-Behindertenrechtskonvention und unserem gesellschaftlichen Konsens von der unverlierbaren Würde eines jeden Menschen", betonte Kaufmann.

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Markus Mörike, Vorsitzender des Synodalausschusses für Diakonie, sagte, existenzielle Fragen am Anfang und Ende des Lebens seien verbunden mit der Frage: "In welcher Gesellschaft wollen wir leben?" Dabei gehe es darum, diejenigen Menschen, die meist unbewusst ausgegrenzt würden, "wieder zurück an Bord zu holen".

Einige Synodale sprachen sich für die bundesweite evangelische Position aus, die Tests als Kassenleistung zuzulassen, aber mit verpflichtender Beratung zu verbinden. Der Mediziner Harald Kretschmer begründete dies damit, dass der im Vergleich zu Fruchtwasseruntersuchungen ungefährlichere Test nicht zahlungskräftigen Patienten vorbehalten bleiben dürfe. "Aber über die ethische Dimension muss es eine Debatte geben", sagte Kretschmer. Die Synodale Marina Walz-Hildenbrand ergänzte, dass Eltern durch den Test sich auch "bewusst für dieses Kind entscheiden" könnten und so dessen Entwicklung von Anfang an bestmöglich fördern könnten.

Andere Synodale stellten sich hinter die Positionierung der württembergischen Diakonie. Die Landessynodale Tabea Dölker forderte "Inklusion und Toleranz ab dem Beginn des Lebens". Das Bluttestziel Selektion müsse deutlich benannt werden. Gegen die Zulassung als Kassenleistung spreche auch, dass auch die Antibabypille keine Kassenleistung ist bei Frauen über 22 Jahren.

Weitere Synodale unterstrichen, dass Wirtschaftlichkeit nicht zur Leitlinie werden dürfe bei Entscheidungen am Beginn und Ende des Lebens. "Die Gesellschaft hat die Rahmenbedingungen zu schaffen, dass alle Menschen miteinander leben können", sagte etwa Margarete Mühlbauer. Ute Mayer ergänzte, dass betroffene Familien von der Kirche gezielt unterstützt werden sollten, über Beratungsstellen ebenso wie in Gemeindeangeboten und durch Hilfe von Mensch zu Mensch. Oberkirchenrat Dieter Kaufmann verwies abschließend darauf, dass die württembergische Position der generellen Ablehnung geteilt werde unter anderem vom Bundesverband Evangelischer Behindertenhilfe.