Zentrale Anlaufstelle für Betroffene von sexualisierter Gewalt in evangelischer Kirche startet

Telefonseelsorge für Betroffene von sexualisierter Gewalt

©Getty Images/iStockphoto/AntonioGuillem

Die unabhängige Beratungsstelle Pfiffigunde berät Betroffene von sexualisierter Gewalt telefonisch, honorarfrei und anonym.

Deutschland spricht 2019
Zentrale Anlaufstelle für Betroffene von sexualisierter Gewalt in evangelischer Kirche startet
Die unabhängige Beratungsstelle Pfiffigunde in Heilbronn nimmt am 1. Juli 2019 offiziell ihre Arbeit auf. Die vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen Betroffene und ihre Angehörigen durch das System Kirche lotsen.

Eine zentrale und unabhängige Anlaufstelle einzurichten, hatten Betroffene bereits im Juni 2018 gefordert. Eine EKD-Synode und ein Jahr später startet nun eine solche Anlaufstelle, die Betroffene von sexualisierter Gewalt in evangelischer Kirche und Diakonie durch das komplizierte System Kirche leiten soll. Vier Therapeutinnen und Sozialpädagogen stehen nach Angaben der EKD ab 1. Juli 2019 bereit, Anrufe von Betroffenen entgegenzunehmen.

Betroffene und deren Angehörige können die "Zentrale Anlaufstelle .help", die zu Pfiffigunde e.V. in Heilbronn gehört, über eine kostenfreie Telefonnummer erreichen (0800 5040 112) oder per E-Mail (zentrale(at)anlaufstelle.help). "Betroffene können sich anonym bei uns melden und alle ihre Fragen stellen", sagt Monika Harsch von Pfiffigunde. Im Moment seien sie und die anderen Mitarbeiter noch damit beschäftigt, das System aus 20 Landeskirchen und deren unterschiedliche Verfahren für Betroffene von Missbrauch zu verstehen. "Wir werden in gutem Kontakt zu den Mitarbeitenden der Ansprechstellen in den Landeskirchen stehen, wenn es um organisatorische Fragen geht", sagt Monika Harsch.

Montags von 16.30-18 Uhr und Dienstag bis Donnerstag von 10 bis 12 Uhr sind die Mitarbeitenden telefonisch zu erreichen. "Wenn bei einem Anruf  Berater oder Beraterin nicht frei sind, vereinbaren wir einen Termin für ein Telefonat", sagt Monika Harsch.

Die Mitarbeitenden bei .help wollten den Anrufern und Anruferinnen zuhören und die Bedürfnisse der jeweiligen Menschen herausfinden, um weitere Hilfe anbieten zu können. "Eine langfristige Begleitung oder Therapie ist von unserer Seite aus nicht möglich", sagt Monika Harsch. "Aber wir können den Weg dorthin für Betroffene organisieren."

Zudem führt die Anlaufstelle eine Statistik über die Zahl der Menschen, die sich melden. "Wir erfassen Daten von Betroffenen anonym. Wir notieren nur Informationen, die uns Betroffene selbst geben möchten; wie zum Beispiel, in welcher Landeskirche jemandem Missbrauch widerfahren ist", sagt Monika Harsch. Es sei aber auch möglich, völlig anonym und unter Pseudonym Telefonate mit den Mitarbeitenden zu führen.

Während des Kirchentags 2019 in Dortmund waren bereits Flyer der Beratungsstelle verteilt worden. Daraufhin hätten sich bereits Menschen bei .help gemeldet.

Die Flyer seien in einer ersten Stückzahl von 70.000 gedruckt worden und sollen nun an die 20 Landeskirchen verteilt werden. Die Auslage der Flyer übernehmen die jeweiligen Landeskirchen in eigener Regie. Mögliche Orte seien Kirchnegemeinden, Ärzte oder Bildungseinrichtungen, teilte die EKD mit. Eine zentrale Kampagne zur Bekanntmachung der Anlaufstelle ist bisher noch nicht geplant.

Betroffene hatten im Vorfeld kritisiert, dass sie bei der Ausgestaltung der Anlaufstelle nicht berücksichtigt worden seien. Der Elf-Punkte-Plan, der auf der EKD-Synode 2018 vorgestellt worden ist, sieht als Punkt 1. die Beteiligung Betroffener vor, die bisher aber nicht verbindlich ausgestaltet ist.

Vorbild für die zentrale Anlaufstelle der EKD ist die unabhängige Anlaufstelle der Nordkirche.