Karfreitag: Kirchen rufen zu Solidarität mit Menschen in Not auf

Kruzifix im Dom zu Augsburg.

epd-bild/Annette Zoepf

Kruzifix im Dom zu Augsburg.

Karfreitag: Kirchen rufen zu Solidarität mit Menschen in Not auf
An Karfreitag erinnern Christen an den Tod Jesu am Kreuz. In Verzweiflung und Leid sei Gott den Menschen an diesem Tag besonders nah, so die Evangelische Kirche in Deutschland. Der Tag mahnt Christen auch zur Hilfe für Menschen in Bedrängnis und Not.

Evangelische Bischöfe haben vor Karfreitag daran erinnert, Gewalt und Hass nicht hinzunehmen. Christen sollten Solidarität mit Menschen in Not zeigen. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, betonte, wo der Ton der politischen Auseinandersetzung national wie international schärfer werde, dürften "Hass und Gewalt keinen Platz in unserem Miteinander haben".

Christen würden an Karfreitag auch an die Menschen denken, die Unrecht erdulden, heißt es in der Botschaft, die am Mittwoch in Hannover veröffentlicht wurde. An Karfreitag gedenken Christen des Leidens und Sterbens von Jesus Christus am Kreuz.

Der Tag erinnere Christen zugleich an die Bosheit und Gleichgültigkeit, den Hass und Spott, der sich um dieses Kreuz versammelt habe, hieß es weiter. "Auch die dunklen Seiten der Menschen sind in den Blick zu nehmen, auch sie gehören zu Karfreitag", heißt es in der Botschaft. Im Leid und in der Verzweiflung sei Gott den Menschen ganz nah.

Der Leitende Bischof der deutschen Lutheraner, Ralf Meister, mahnte ein Nachdenken über Hunger und Ungerechtigkeit in der Welt an. "Es gibt vieles, über das wir keine einzige Träne vergießen, obwohl es doch zum Heulen ist", erklärte Meister in seiner in Hannover veröffentlichten Karfreitags-Botschaft. "Wer weint darüber, dass ein ungerechtes Wirtschaftssystem und unsere Gleichgültigkeit tagaus, tagein Abertausende von Menschen verhungern lassen?"

Für die Mehrheit der Menschen auf dem Planeten sei Gerechtigkeit nur ein Wort und bleibe eine ferne Hoffnung, schrieb der hannoversche Landesbischof, der seit November 2018 als Leitender Bischof an der Spitze der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) steht. Die VELKD ist ein Zusammenschluss aus sieben lutherischen Landeskirchen mit rund neun Millionen Gemeindegliedern.

Das Kreuz führe vor Augen, was Menschen einander in Kriegen, Terror und in den "Kriegen des Alltags" antun, sagte der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung am Mittwoch in Darmstadt. "Das Kreuz hält uns einen Spiegel vor, einen Spiegel des Grauens, in dem wir auch uns selbst erkennen", sagte Jung, der auch der Medienbischof der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist.

Das Kreuz ist nach den Worten Jungs aber auch der Ort, an dem sich Gott mit den Menschen verbunden hat. Durch Jesus zeige Gott, dass er die Welt und die Menschen nicht einfach fallen lasse. Und vom Kreuz komme der Auftrag: "Seid füreinander da. Lebt die Liebe, mit der Gott euch geliebt hat."

"Ich finde, wer an dem Tag in die Disco gehen will, sollte das auch tun können"

Nach den Berichten in den biblischen Evangelien wurde Jesus an Karfreitag durch den römischen Statthalter von Jerusalem, Pilatus, zum Tod durch Kreuzigung verurteilt - im antiken Rom die schlimmste Form der Hinrichtung. Er wurde gegeißelt, verspottet, und schließlich auf der Kreuzigungsstätte Golgatha gekreuzigt.

Oft wird fälschlicherweise darauf hingewiesen, Karfreitag sei der höchste Feiertag in der evangelischen Kirche. Für Protestanten hat der Karfreitag zwar eine besondere Bedeutung. Doch Ostern als Feier der Auferstehung ist für die ganze Christenheit das höchste christliche Fest. In Deutschland ist der Karfreitag ein sogenannter Stiller Feiertag, an dem ein Tanzverbot gilt. Religionskritiker gehen immer wieder dagegen an.

Der Bundesvorsitzende der Jusos, Kevin Kühnert, forderte am Mittwoch in einem Zeitungsbericht die Abschaffung des Tanzverbots. "Ich würde selbstverständlich keine Party in einer Kirche anmelden. Ich finde aber, wer an dem Tag in die Disco gehen will, sollte das auch tun können", sagte Kühnert dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (Mittwoch).

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