TV-Tipp: "Mord geht immer: Der Koch ist tot"

Alter Fernseher vor gelber Wand

Foto: Getty Images/iStockphoto/vicnt

TV-Tipp: "Mord geht immer: Der Koch ist tot"
23.1., ARD, 20.15 Uhr
So kann man einen Fall natürlich auch lösen: Man quasselt die Verdächtigen solange zu, bis sie freiwillig gestehen.

Das hat vor zwei Jahren schon mal funktioniert: "Der Chef ist tot" war ein vor allem wegen der Ensemble-Leistung sehenswerter Komödienkrimi. Vermutlich wusste das ZDF damals noch gar nicht, dass aus der Ermittlerin mal eine Reihenfigur würde, weshalb Oberkommissarin Maxi Schweiger (Fritzi Haberlandt) nur eine von mehreren interessanten Figuren war. Die Fortsetzung "Der Koch ist tot" ist dagegen voll und ganz auf sie zugeschnitten. Der Rahmen allerdings ist ähnlich. Erneut trägt sich die Handlung wie bei einem Roman von Agatha Christie überwiegend an einem Schauplatz zu, und auch die Zahl der Mitwirkenden ist überschaubar. Der erste Film spielte in den Räumen eines kleinen Logistikunternehmens, der zweite in einem Waldlokal. Die Leiche ist allerdings nicht der Koch, wie der Titel behauptet, sondern der Saucenexperte. Ein Messerstich hat ihn dort getroffen, wo's Männern besonders wehtut; anschließend wurde ihm das Genick gebrochen. Wie sich rausstellt, war das Opfer zu Lebzeiten ein Schürzenjäger; Eifersucht ist im klassischen Krimi immer ein Motiv. Andererseits hatte der Mann ständig Krach mit dem Chefkoch des "Waldesruh". Tatsächlich stellt sich raus, dass praktisch alle Beteiligten gute Gründe hatten, den Saucier zu töten, weshalb Maxi Schweiger im letzten Akt bei der Überführung des Mörders gewissermaßen jeden Mitwirkenden mal nach vorne ruft, um allen Anwesenden zu erläutern, warum er oder sie die Tat begangen haben könnte; beziehungsweise warum nicht.

 

Das Finale zieht sich ein bisschen, und auch zwischendurch hat der Film ein paar Längen; wer typische Krimispannung erwartet, wird zwangsläufig enttäuscht werden. Dafür hat "Der Koch ist tot" andere Stärken. Fritzi Haberlandt zum Beispiel hat spürbar Spaß an ihrer Rolle als etwas verhuschte Kommissarin, die mit ihren schlechten Scherzen und den nicht endenden Monologen jedem auf die Nerven geht; den Verdächtigen ohnehin, aber auch den Kollegen, allen voran ihrem Chef, Bodo Wehner (Rudolf Kowalski). Weil die Tätersuche allein nicht lustig genug gewesen wäre, hat Autor Stefan Rogall die Geschichte um einen Nebenstrang im Revier erweitert: Wehner feiert demnächst ein Dienstjubiläum, und Schweiger soll eine angemessene Feierstunde organisieren; deshalb kommt sie auf die Idee, die Kollegen ins "Waldesruh" einzuladen, um dort den Mörder schließlich mit großer Geste quasi zum Dessert zu servieren.

Das ist alles ganz nett und auch sympathisch, aber dem Film fehlt wie schon dem Vorgänger ein bisschen Biss. Dabei kann Rogall, der unter anderem die Drehbücher zu mehreren meist sehenswerten "Wilsberg"-Episoden geschrieben hat, auch anders; die Dialoge in den ZDF-Komödien "Nicht ohne meinen Schwiegervater" und "Nicht ohne meine Schwiegereltern" (beide mit Fritz Wepper) oder "Der Stinkstiefel" (mit Leonard Lansink) waren von ganz anderem Kaliber. "Mord geht immer", mit dem zweiten Teil zur Reihe geworden, soll aber offenbar niemandem weh tun, weshalb die Szenen, in denen gefährlich mit großen Messern hantiert wird, fast schon aus dem Rahmen fallen; den Beteiligten schwebte anscheinend ein Film für all' jene Zuschauer vor, die zwar Krimis mögen, denen der "Tatort" aber zu spannend ist.

 

Weil die Rolle der Ermittlerin diesmal stärker im Zentrum steht, bleibt für die weiteren Figuren weniger Spielraum. Das ist schade, denn im Zusammenspiel Der Figuren lag die große Stärke des ersten Films, weil Rogall die gruppendynamischen Prozesse und die wechselnden Allianzen sehr schön getroffen hatte. Immerhin sind die Rollen interessant besetzt: Dirk Borchardt spielt den Chefkoch Grünweg, der das "Waldesruh" unbedingt in ein Sterne-Lokal umwandeln will. Er rechnet täglich mit dem Besuch des bekannten Restaurantkritikers Jürgen Mattschiess, weshalb seine Angestellten auf den Mann warten wie Wladimir und Estragon auf Godot. Anders als bei Beckett taucht Mattschiess (Matthias Redlhammer) tatsächlich auf, wenn auch nur, um von Schweiger prompt in die Phalanx der Verdächtigen einreiht zu werden. Grünweg ist gemeinsam mit seiner zukünftigen Exfrau (Elisabeth Baulitz) auch Besitzer des Lokals. Die Gattin ist weit weniger ambitioniert und wäre schon zufrieden, wenn überhaupt mal Gäste kämen. Fast schon verschwendet sind dagegen Jakob Matschenz als Kellner und Cornelia Gröschel als ehrgeizige Köchin. Regie führte wie beim ersten Film Markus Sehr. Der Regisseur hat nach seinem sehenswerten Kinodebüt "Eine Insel namens Udo", ebenfalls mit Fritzi Haberlandt, in erster Linie für "Friesland" gearbeitet, aber die Beiträge zur heiteren ZDF-Krimireihe plätschern nach originellem Beginn mittlerweile ebenfalls recht harmlos vor sich in.


 
 
 

Themen