Zahl der Organspenden erstmals seit 2010 gestiegen

Organspendeausweis

Foto: Daniel Maurer/dpa

Ein Organspendeausweis vor dem Modell eines menschlichen Torsos.

Zahl der Organspenden erstmals seit 2010 gestiegen
Bundesweit haben im vergangenen Jahr 955 Menschen nach ihrem Tod ihre Organe gespendet. Trotz des Anstiegs bleibt Kritik am bestehenden Transplantationswesen.

Die Zahl der Organspenden ist im vergangenen Jahr erstmals seit 2010 wieder gestiegen. Bundesweit hätten 955 Menschen nach ihrem Tod ihre Organe für schwer kranke Patienten gespendet, teilte die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) am Freitag in Frankfurt am Main mit. Das seien 20 Prozent mehr als im Vorjahr (797 Spender). Dennoch bleibt Kritik am bestehenden Transplantationswesen. "Der Schlüssel zu mehr Organspenden ist eine gute Organisation in den Krankenhäusern", erklärte die Deutsche Stiftung Patientenschutz. Ähnlich äußerte sich die SPD.

Von 995 Spendern seien 3.113 Organe durch die Vermittlungsstelle Eurotransplant an die Patienten auf den Wartelisten vermittelt worden, erläuterte die DSO. Das seien 519 Organe mehr, ebenfalls ein Anstieg um 20 Prozent im Vergleich zum Jahr 2017. Derzeit stünden rund 9.400 Patienten in Deutschland auf den Wartelisten.

Hoffnungen auf Gesetzesentwurf

Besonders begrüßte die DSO, dass die Kontaktaufnahmen der Kliniken mit der Koordinierungsstelle im Vorjahr um mehr als ein Viertel zunahmen. Voraussetzung für eine Steigerung der Organspenden sei, dass die Kliniken mögliche Spender der DSO meldeten.

Große Hoffnung setze die Organisation in einen Gesetzentwurf des Bundeskabinetts, mit dem die Abläufe bei Organspenden besser geregelt werden sollen. Er stärke die Transplantationsbeauftragten in den Kliniken und verpflichte zu einem flächendeckenden Berichtssystem. Auch würde erstmals die Betreuung von Angehörigen im Gesetz verankert und für eine bessere Finanzierung der Kliniken für die Transplantationen gesorgt.

Der Medizinische Vorstand der DSO, Axel Rahmel, forderte darüber hinaus eine gesetzliche Regelung der Entscheidung des Einzelnen über eine Organentnahme nach dem Tod. Bisher dürfen Organe eines Hirntoten in Deutschland nur entnommen werden, wenn dieser zuvor seine Zustimmung erteilt hat.

Zahlen ein Hoffnungsschimmer

"Die freiwillige Entscheidungslösung wie bisher hat nicht funktioniert", sagte der Mediziner. Eine künftige Lösung solle die Selbstbestimmung des Einzelnen in den Vordergrund stellen und gleichzeitig eine persönliche Entscheidung forcieren, "so dass sich möglichst jeder Bürger mit der Frage der Organspende auseinandersetzt und seine Entscheidung auch dokumentiert".

Hilde Mattheis, Berichterstatterin der SPD-Bundestagsfraktion für Organspende, begrüßt die Zahlen, mahnt aber strukturelle Verbesserungen an. Sie sprach von einem Hoffnungsschimmer. Man dürfe sich jedoch nicht auf den gestiegenen Zahlen ausruhen. "Ursache der weiterhin niedrigen Transplantationsrate in Deutschland sind strukturelle und organisatorische Probleme in den Krankenhäusern", sagte Mattheis.

"Wir werden deshalb im Bundestag in der kommenden Woche über einen Gesetzentwurf beraten, der diese Probleme angeht", sagte die Expertin. Sie sei zuversichtlich, "dass wir damit einen echten Durchbruch für das Transplantationssystem in Deutschland erreichen".

Für die Deutsche Stiftung Patientenschutz sagte Vorstand Eugen Brysch: "Der Anstieg bei den Organspendezahlen ist ein Lichtblick. Doch das ist kein Erfolg der teuren Werbekampagnen der letzten Jahre." Der Schlüssel zu mehr Organspenden sei vielmehr eine gute Organisation in den Krankenhäusern. Der Vorschlag für eine Widerspruchsregelung, nach der jeder Bürger Organspender wird, der nicht zu Lebzeiten ausdrücklich widersprochen hat, erweise der Sache jedoch einen Bärendienst. "Mit Zwang lässt sich kein Vertrauen gewinnen", sagte Brysch.

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