TV-Tipp: "Nord bei Nordwest: Gold!" (ARD)

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TV-Tipp: "Nord bei Nordwest: Gold!" (ARD)
3.1., ARD, 20.15 Uhr
Ein Tierarzt, der in Wirklichkeit Polizist ist, mit neuer Identität in einem beschaulichen Ostseeort untertaucht und die dortige Polizistin bei ihren Fällen unterstützt: Die Idee hatte was. "Nord bei Nordwest" war im Herbst 2014 eine völlig neue Ermittlerfigur im großen Panoptikum der Fernsehkommissare.

Holger Karsten Schmidt, mehrfach mit den wichtigsten Preisen dekorierter Autor einer Vielzahl knallharter TV-Thriller, hat die Rolle seinem mutmaßlichen Lieblingsschauspieler Hinnerk Schönemann auf den Leib geschrieben; der Schauspieler hatte zuvor in "Mörder auf Amrum" (Grimme-Preis 2010) sowie in vier Filmen als Privatdetektiv Finn Zehender (unter anderem "Mörderisches Wespennest" und "Mörderische Jagd", 2011 bis 2014) einige seiner besten Leistungen gebracht. Die Krimis waren stellenweise recht gewalttätig und vor allem makaber. Gemessen daran ist "Nord bei Nordwest" reinstes Familienfernsehen, zumal der Humor hier deutlich mehrheitsfähiger ist. Damit rückt die Reihe stark in die Nähe von "Marie Brand und…". Im Vergleich zum selbstverliebten und auch etwas begriffsstutzigen Kölner Kommissar Jürgen Simmel, den Schönemann in der ZDF-Reihe verkörpert, ist der Veterinär Hauke Jacobs aus dem ostholsteinischen Schwanitz allerdings ein ziemlich bodenständiger Typ. Daran ändern selbst die beiden rothaarigen Frauen nichts, die ihn umschwärmen.

Dieses Trio ist auch der einzige Grund, die siebte "Nord bei Nordwest"-Episode, "Gold!", zu empfehlen: weil das Beziehungsgeflecht zwischen Jacobs sowie seiner Praxishilfe Jule (Marleen Lohse) auf der einen und Polizistin Lona Vogt (Henny Reents) auf der anderen Seite viel interessanter ist als die Krimiebene. Mitunter legt die Geschichte nahe, als hätten sich weder Autor Schmidt noch Regisseur Christian Theede so richtig für die Handlung begeistern können; der Regisseur hat zuletzt unter anderem mit "Mord Ex Machina" (2018) einen sehr interessanten "Tatort" aus Saarbrücken gedreht. Das Ganze scheint ohnehin nur ein Vorwand zu sein, um ein bisschen Goldrausch zu spielen: Am Körper eines brutal zu Tode getretenen Immobilienmaklers werden Spuren von Goldstaub entdeckt. Weil der Mann diverse Grundstücke kaufen wollte, drehen die Menschen prompt durch, schließlich ist vor langer Zeit schon mal Gold in Schwanitz gefunden worden. Der einzige Profiteur ist jedoch der türkischstämmige Kleinkramhändler Ösker (Cem-Ali Gültekin), der reihenweise Metalldetektoren verkauft.

Eifrigste Goldsucher sind ein Bestatterpärchen, das als eine Art Pausenclowns dient und bei besserer Umsetzung vermutlich sogar lustig wäre; die Gespräche über den Traum einer Ladenkette mit vielen Filialen, PR-Motto "Der Tod ist nur ein neues Zuhause", deuten zumindest das Potenzial der Figuren an. Derweil vernehmen Jacobs und Vogt alle möglichen Leute, die mit dem Makler zu tun hatten, darunter auch ein eifersüchtiger gewalttätiger Juwelier und seine Frau, aber das ist alles nicht packender oder origineller als die Folge einer handelsüblichen Vorabend-Krimiserie. Der Goldrausch ist außerdem bloß ein Ablenkungsmanöver des Autors, aber viel ärgerlicher sind die teilweise alles andere als überzeugenden Leistungen einiger Nebendarsteller; das gilt vor allem für die wahren Täter.

Interessant wird "Gold!" immer dann, wenn es um die Hintergrundgeschichte geht: Jacobs, der sich als verdeckter Ermittler das Vertrauen eines Mafiabosses erschlichen hatte, muss nach Hamburg, um im Prozess gegen den Mann auszusagen. Damit wäre dieses Kapitel theoretisch abgeschlossen, er könnte auch in seinen alten Job zurück, aber er will lieber in Schwanitz bleiben. Natürlich gibt es vor dem langen Arm des Verbrechens kein Entkommen, weshalb das Finale wirkt, als habe Theede in den letzten zwei Minuten alles an Spannung nachholen wollen, was der Krimi vorher hat vermissen lassen. Immerhin ist der Film ehrlich, denn schon der Auftakt ist denkbar entspannt: Während andere Fime dieser Art gern möglichst packend beginnen, schippert Jacobs in aller Ruhe über die Ostsee. Das Tempo zieht zwar kurz an, als Jule den schwerverletzten Makler findet und Vogt über die Landstraße brettert, um den Mann zum Rettungshubschrauber zu bringen, aber danach ergeht sich "Gold!" wieder in Beschaulichkeit. Auf diese Weise gibt es immerhin Muße, die eindrucksvollen Himmelsbilder zu bewundern (Kamera: Martin Schlecht). Sehr reizvoll ist auch das Licht bei den Innenaufnahmen; eine Kirchenszene ist geradezu überirdisch illuminiert. Klare Abzüge gibt es dafür bei der reichlich unglaubwürdigen Inszenierung eines Fußballspiels; die entsprechenden Szenen legen den Schluss nahe, dass die Beteiligten von dieser Sportart im Allgemeinen und von Dorffußball insbesondere keine Ahnung haben.