Irmgard Schwaetzer: Journalisten sollten auf Distanz gehen

Irmgard Schwaetzer hat Journalisten zu kritischer Distanz aufgerufen.

© epd-bild/Dethard Hilbig

Eine funktionierende Demokratie brauche couragierten Journalismus, sagte Irmgard Schwaetzer bei der Verabschiedung der Absolventen der Evangelischen Journalistenschule.

Die Synodenpräses der Evangelischen Kirche in Deutschland warnt die Absolventen der Evangelischen Journalistenschule bei deren Verabschiedung vor "Manipulation aus Voreingenommenheit".

Die Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Irmgard Schwaetzer, hat Journalisten zu kritischer Distanz aufgerufen. Bei der Verabschiedung von Absolventen der Evangelischen Journalistenschule warb Schwaetzer für eine Berichterstattung, "die zugespitzte Formulierungen um ihre Hintergründe erweitert und Statistiken gegen den Strich bürstet". Informationen müssten auf Stichhaltigkeit, Quellen auf Vertrauenswürdigkeit geprüft werden, sagte die Synodenpräses am Mittwochabend in Berlin.

"Mir scheint, dass es heute vor allem darum geht, auf Distanz zum Ereignis zu gehen, über das berichtet wird", sagte die ehemalige Bundesministerin: "Denn die Gefahr der Manipulation aus Voreingenommenheit ist gerade dort allgegenwärtig, wo ein Bericht mit Emotionen angereichert wird."



Eine funktionierende Demokratie brauche couragierten Journalismus, sagte Schwaetzer, die seit 2013 als Präses an der Spitze des EKD-Kirchenparlaments steht. Mit der Journalistenschule habe die EKD einen Ort, an dem junge Menschen eine Ausbildung erhalten, die sie zu qualitätsvoller Berichterstattung befähige. "Dies ist unauflöslich verknüpft mit der Vermittlung ethischer Standards und der Reflexion über ethische Fragen", sagte Schwaetzer.

Qualitätsjournalismus ist eine Herzensangelegenheit

Jörg Bollmann, Direktor des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik (GEP), sagte bei der Feierstunde: "Für die evangelische Kirche ist Qualitätsjournalismus eine Herzensangelegenheit, auch weil ihr die evangelische Publizistik als Lebensäußerung der Kirche am Herzen liegt." Evangelische Publizistik werde ihrem Namen nur gerecht, wenn sie den Standards des Qualitätsjournalismus folge.

Arnd Brummer, Publizistischer Vorstand der Journalistenschule, sagte, guter Journalismus heute bedeute, Gemeinschaft zu ermöglichen. Er wirke Individualisierung entgegen und unterstütze gesellschaftlichen Diskurs, sagte der Geschäftsführende Herausgeber des Magazins "chrismon".

16 Volontärinnen und Volontäre haben im 12. Jahrgang eine crossmediale Ausbildung an der Journalistenschule absolviert. Die Ausbildung dauert 22 Monate. Der 13. Jahrgang der Evangelischen Journalistenschule startet im Februar 2019.

Die Evangelische Journalistenschule in Berlin ist eine Abteilung des GEP mit Hauptsitz in Frankfurt am Main. Das Gemeinschaftswerk ist die zentrale Medieneinrichtung der EKD, ihrer Landeskirchen und Werke sowie der evangelischen Freikirchen. Zum GEP gehört unter anderem die Zentralredaktion des Evangelischen Pressedienstes (epd).