Flensburger Pastor: Gott sammelt keine Punkte

Johannes Ahrens, Stadtpastor in Flensburg

© Malte Christians/dpa

Pfarrer Johannes Ahrens glaubt nicht, dass Gott so wie das Kraftfahrtbundesamt eine Art Sünderkartei führt und Strafpunkte für schlechte Taten vergibt.

Flensburger Pastor: Gott sammelt keine Punkte
Zur Buße gehört für den Flensburger Stadtpastor Johannes Ahrens vor allem Kommunikation und ein sichtbares Zeichen - "sei es ein Blumenstrauß, ein Vaterunser oder ein Punkt in Flensburg". Das letzte Beispiel wählt Pastor Ahrens, weil in seinem Arbeitsbereich das Kraftfahrtbundesamt (KBA) liegt, das die Bußgeldbescheide an Verkehrssünder in ganz Deutschland verschickt. Dahinter steckt ein einfaches Prinzip: bezahlen und die Schuld ist getilgt.

Ob die Raser, Rotfahrer und Falschparker damit allerdings wirklich Buße tun, bleibt fraglich. Für Pastor Ahrens wäre der Ausgangspunkt vielmehr, "sich einzugestehen, dass eine Handlung nicht gut war und dass es einem leidtut". Verkehrssünder würden ja erst dann richtig bestraft, wenn ihnen bei acht Punkten in der Verkehrssünderdatei der "Lappen" entzogen wird. Ohnehin gehe es bei den Punkten in Flensburg ausschließlich um Verkehrssünden. Menschen begingen Fehler ja auch in Bereichen, wo keine Strafen oder Möglichkeiten zur Buße festgelegt seien.

Dass nun aber Gott so wie das KBA eine Art Sünderkartei führt und Strafpunkte für schlechte Taten vergibt, glaubt Ahrens nicht. Für ihn ist Gott kein Aufpasser, der alles bewertet. "Er ist kein Punktesammler", sagt Ahrens. "Die Grundbotschaft des christlichen Glaubens ist, dass jeder Mensch von Gott gleichermaßen geliebt wird, egal ob Verbrecher oder Friedensnobelpreisträger." Das sei ein Gedanke, auf den er theologisch nicht verzichten möchte. Gott sei eher eine Macht, die ihn darin bestärke, so oft es geht Gutes zu tun.

Umso mehr befremdet es den Flensburger Pastor nach eigenen Worten, dass es nur einen Buß- und Bettag pro Jahr gibt - in diesem Jahr den 21. November. "Ursprünglich war er eine Art Gebetsaufforderung nach Bedarf", erinnert sich Ahrens. Im Angesicht drohender Not oder Katastrophen wurden die Gläubigen aufgefordert, für die Situation und die Entscheidungsträger zu beten, um drohenden Hunger, eine Dürre oder einen Krieg abzuwenden oder deren Folgen zumindest zu mildern. Erst seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ist der Buß- und Bettag auf einen Tag festgelegt. Insofern sei er eher eine "jährliche Erinnerung" an die tägliche Buße.