Arme werden politisch instrumentalisiert

Altersarmut

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Wenn die Grundsicherung im Alter nicht gleichzeitig steigt, nutzt einer Erhöhung des Rentenniveaus armen Menschen nichts.

Arme werden politisch instrumentalisiert
Der frühere Generalsekretär der Caritas, Georg Cremer, hat politischen Akteuren eine Instrumentalisierung armer Menschen vorgeworfen. Sie dürften nicht politisch missbraucht werden "für Forderungen, mit denen sie nichts zu tun haben", sagte Cremer am Dienstag bei der Konferenz von Menschen mit Armutserfahrungen in Berlin.

Als Beispiel nannte er die Forderung nach einer Erhöhung des Rentenniveaus mit dem Argument, damit drohender Altersarmut zu begegnen. Wenn die Grundsicherung im Alter nicht gleichzeitig steige, nutze eine solche Erhöhung armen Menschen nichts, sagte Cremer. Es sei dann "unanständig", mit Armen zu argumentieren, aber tatsächlich der bürgerlichen Mitte zu helfen. "Wenn man Dinge für die Mitte machen will, soll man sie mit der Mitte begründen, aber nicht mit den Armen, an denen es vorbeigeht."

Auf Einladung der Nationalen Armutskonferenz treffen sich am Dienstag und Mittwoch im Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung in Berlin Menschen mit Armutserfahrungen. Die Konferenz soll ihnen Gelegenheit geben, sich auszutauschen, zu vernetzen und ihre Interessen gegenüber Experten und Politikern auszudrücken. Arbeit zur Überwindung von Armut könne nur erfolgreich sein, wenn sie von den Menschen selbst in die Hand genommen werde, sagte Diakonie-Präsident Ulrich Lilie.



Das seit 2006 stattfindende jährliche Treffen steht in diesem Jahr unter dem Motto "Armut stört - immer". Die Nationale Armutskonferenz wolle dafür sorgen, dass Armut nicht hingenommen werde, sagte deren Vorsitzende Barbara Eschen. Dies habe auch eine menschenrechtliche Dimension. Armut zu bekämpfen sei keine Wohltätigkeit, sondern Verpflichtung, sagte die Direktorin des Diakonischen Werks Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.

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