UN prangern Hinrichtungen von Jugendlichen und sozial Schwachen an

Antonio Guterres, Generalsekretär der Vereinten Nationen

© Li Muzi/Xinhua/dpa

UN-Generalsekretär Guterres kritisierte scharf, dass in diesem Jahr Hunderte andere Menschen ohne rechtlichen Beistand zum Tode verurteilt und dann hingerichtet worden seien.

Endlos in Haft, streng isoliert und voller Angst: Amnesty kritisiert unmenschliche Zustände in Todeszellen. Unterdessen verurteilte ein Gericht in Bangladesch 19 Menschen zur Höchststrafe.

Die Vereinten Nationen haben die häufige Verhängung der Todesstrafe gegen Jugendliche und sozial schwache Menschen angeprangert. Er sei sehr bestürzt darüber, dass in diesem Jahr einige Heranwachsende hingerichtet worden seien, sagte UN-Generalsekretär António Guterres am Mittwoch in New York aus Anlass des Internationalen Tags gegen die Todesstrafe am 10. Oktober. Unterdessen verurteilte ein Gericht in Bangladesch am Mittwoch 19 Menschen wegen eines Anschlags auf die heutige Ministerpräsidentin Sheikh Hasina im Jahr 2004 zum Tode durch den Strang - darunter zwei ehemalige Minister.

Ohne rechtlichen Beistand zum Tode verurteilt

UN-Generalsekretär Guterres kritisierte scharf, dass in diesem Jahr Hunderte andere Menschen ohne rechtlichen Beistand zum Tode verurteilt und dann hingerichtet worden seien. Diese Menschen seien entweder zu arm, seien Frauen oder gehörten Minderheiten an, hielt Guterres fest. In einigen Ländern würden Menschen in Geheimprozessen zum Tode verurteilt. Ein faires, transparentes und rechtlich einwandfreies Verfahren sei in diesen Fällen unmöglich. Guterres nannte keine Länder beim Namen.

Amnesty International warf fünf Staaten vor, Häftlinge in den Todeszellen unmenschlich zu behandeln. "Viele zum Tode verurteilte Gefangene leben vor ihrer Hinrichtung unter Haftbedingungen, die Folter gleichkommen", erklärte die Menschenrechtsorganisation. Amnesty appellierte an Weißrussland, Ghana, den Iran, Japan und Malaysia, diese Zustände abzustellen und die Todesstrafe vollständig abzuschaffen.

In 23 Ländern wurden Menschen hingerichtet

Die Organisation lehnt die Todessstrafe als grausam, unmenschlich und demütigend ab. In 23 Ländern wurden Amnesty zufolge im vergangenen Jahr mindestens 993 Menschen hingerichtet, 39 weniger als 2016. Dabei sind die Exekutionen in China allerdings nicht mitgezählt, die als Staatsgeheimnis behandelt werden. Laut UN haben inzwischen etwa 170 Länder die Todesstrafe abgeschafft oder vollstrecken diese nicht mehr.

In Weißrussland werden Todesurteile laut Amnesty oft vollstreckt, ohne dass die Gefangenen, ihre Anwälte oder Angehörigen vorher informiert werden. Im Iran sitzt den Angaben zufolge Mohammed Reza Haddadi seit 14 Jahren in der Todeszelle: Er war 15 Jahre alt, als er verurteilt wurde.



In Malaysia wurde Hoo Yew Wah 2005 inhaftiert, als er 20 war, und 2011 zum Tode verurteilt. Sein Gnadengesuch von 2016 ist bis heute unbeantwortet. In Japan dokumentierte Amnesty den Fall des 1993 zum Tode verurteilten Matsumoto Kenji, dessen Mordgeständnis angezweifelt wird, weil Psychiater ihm Geistesschwäche diagnostizierten. In Ghana berichteten Gefangene in den Todeszellen von Angstzuständen, weil sie von Gemeinschaftsaktivitäten und medizinischer Versorgung ausgeschlossen wurden.

Das Gericht in Bangladesch verhängte neben den Todesstrafen eine lebenslange Haftstrafe gegen den früheren Oppositionsführer Tarique Rahman. Seine Mutter, Ex-Ministerpräsidentin Khaleda Zia, wurde im Februar zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Die Verurteilung der Spitzenpolitiker kurz vor den Wahlen gilt als schwerer Schlag gegen die Opposition in dem islamischen Land. Die heutige Regierungschefin Hasina war 2004 in der Opposition und überlebte den Anschlag.