Ex-EKD-Ratsvorsitzender fordert mehr Klartext von Kirchen

Mit Blick auf zunehmenden Rechtspopulismus und -radikalismus, Fake News und Verrohung in sozialen Netzwerken appelliert der rheinische Altpräses Nikolaus Schneider an die Kirchen, sich deutlicher zu positionieren.

"Wir sind gefordert Klartext zu reden", sagte der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am Freitagabend bei einer Veranstaltung in der Katholischen Akademie Die Wolfsburg in Mülheim an der Ruhr. Dabei gehe es um sozialpolitisches Engagement und das predigen des Evangeliums gleichermaßen: "Die Menschen brauchen Orientierung."

Schneider kritisierte, dass Bischöfe beider großen Kirchen "aus falscher Sorge, Menschen zu verlieren", oft schwiegen oder sich zurückhielten. Auch vom derzeitigen EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm würde er sich wünschen, dass er mehr deutlichere Worte fände wie etwa der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sagte er. Bedford-Strohm "schwurbelt mir ein bisschen".



Schneider erinnerte daran, dass die Bekennende Kirche im Nationalsozialismus eine Minderheit gewesen sei und die große Mehrheit der Deutschen Christen das Unrecht damals mit verantwortet hätten: "Das darf uns nicht noch einmal passieren", mahnte der 71-jährige Theologe. Der Altpräses sprach im Rahmen der Projektreihe "Glückauf Zukunft" aus Anlass der letzten Zechenschließung im Ruhrgebiet Ende 2018.