Friedenspreisträger: Mehr ziviler Ungehorsam

Friedenspreisträger: Mehr ziviler Ungehorsam
Das Berliner Aktivistenkollektiv "Peng!" bemängelt zu viel zivilen Gehorsam in der Gesellschaft. Mit ihren fiktiven Kampagnen und satirischen Aktionen wollen die Mitglieder soziale Missstände anprangern und zu zivilem Ungehorsam ermuntern, sagte "Peng!"-Aktivist Conny Runner am Samstag in Aachen, wo die Gruppe am Abend den Aachener Friedenspreis erhalten sollte.

So rief das Kollektiv mit der Kampagne "Deutschland geht klauen" beispielsweise dazu auf, Billigwaren in Supermärkten zu stehlen und stattdessen die Gewerkschaften der Produzenten im globalen Süden zu bezahlen. Auch Rüstungsexporte waren bereits Thema von "Peng!"-Aktionen.

Als internationaler Preisträger wird das kolumbianische Friedensprojekt "Concern Universal Colombia" für seine Bildungsarbeit in dem durch Jahrzehnte langen Bürgerkrieg tief gespaltenen südamerikanischen Land ausgezeichnet. Die 1980 von der Entwicklungshelferin Siobhan McGee und dem Lehrer Jaime Bernal-Gonzales gegründete Entwicklungsorganisation initiiert den Aufbau von Kleinstbetrieben, Kinderbetreuung und Seniorenbildung in der zentralkolumbianischen Provinz Tolima. Ziel der Projekte sei, Bürgerkriegsflüchtlinge besser zu integrieren und die Aussöhnung verfeindeter Bevölkerungsgruppen zu fördern, erklärte Bernal-Gonzales.



"Wenn mehr Menschen so mutig wären wie das 'Peng!'-Kollektiv und sich so für Chancen, Rechte und friedlichen Zusammenleben ihrer Mitmenschen stark machen würden wie Siobhan McGee und Jaime Bernal-Gonzales, hätte die Menschheit weniger Probleme", sagte Lea Heuser von Friedenspreis-Verein.

Seit 30 Jahren ehrt das Bündnis "Aachener Friedenspreis" am 1. September Einzelpersonen und Initiativen, die sich von unten für Frieden und Völkerverständigung einsetzen. Der Aachener Friedenspreis sei im 31. Jahr seiner Gründung leider immer noch nötig, denn in der Welt herrsche sehr viel Unfriede, sagte Heuser. Mit der Preisverleihung wolle das Bündnis aus etwa fünfzig gesellschaftlichen Gruppen und 350 Einzelpersonen mehr Menschen zu zivilem Ungehorsam motivieren und demonstrieren, dass sich der Einsatz für den Frieden lohnt.

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