Film des Monats September 2018: "Styx"

Regisseur Wolfgang Fischer erzählt in STYX von einer starken Frau (Susanne Wolff).

Foto: Zorro Film

Bildgewaltig erzählt Regisseur Wolfgang Fischer in STYX von einer starken Frau (Susanne Wolff), die auf einem Segeltörn unvermittelt aus ihrer heilen Welt gerissen wird.

Als Film des Monats September 2018 zeichnet die Jury der Evangelischen Filmarbeit "Styx" von Wolfgang Fischer aus. Der Film kommt am 13. September in die Kinos.

Rike ist Anfang vierzig und arbeitet als Notärztin in Köln - ein harter Job. Ihr Urlaubsplan verspricht auch nicht gerade Entspannung pur: Sie will von Gibraltar nach Ascension segeln, eine Insel im Südatlantik, auf der Charles Darwin ein legendäres Bepflanzungsprojekt initiiert hat. Tausende von Kilometern auf dem rauen Meer, allein in einer Zwölf-Meter-Yacht? Rike glaubt zu wissen, was sie sich zumuten kann: Sie ist fit, eine gewiefte Seglerin, und sie hat sich umsichtig ausgerüstet. Selbst als sie vor der afrikanischen Küste in einen schweren Sturm gerät, sitzt bei ihr jeder Handgriff.

Doch dann entdeckt sie einen havarierten Kutter, auf dem mehr als hundert geschwächte Flüchtende um ihr Leben flehen; einige springen ins Wasser, als sie die Yacht erblicken. Die Küstenwache weist Rike an, sich zurückzuziehen. Aber als Ärztin kann und will sie nicht wegsehen. Ohnehin hat einer der Flüchtenden, ein Junge, bereits ihr Schiff erreicht. Abenteuerfilm, Thriller, Dokudrama? Wolfgang Fischers "Styx" hat von allem etwas. Schließlich treffen in seinem Szenario höchst unterschiedliche Sphären aufeinander. Die Protagonistin (Susanne Wolff) ist verantwortungsvoll und wirkt  sympathisch in ihrem Drang zu helfen.

Doch sie repräsentiert ein saturiertes Europa, dessen Bürger selbst bestimmen können, welchen Lebensrisiken sie sich aussetzen: Ihre "Abenteuer" sind allemal abgesichert. Die Menschen auf dem sinkenden Boot haben keine Wahl. Auf der Flucht vor Armut und Zwang liefern sie sich nicht nur den Elementen aus, sondern vor allem der Politik, denen, die darüber entscheiden, wem wann geholfen wird. Angesichts der inhumanen Tendenzen unserer Migrationsdebatte und der beständig steigenden Zahl der Opfer im Mittelmeer gewinnt der auf der diesjährigen Berlinale vorgestellte Film eine furchtbare Dringlichkeit.

Seine Stärke liegt darin, wie er das Thema kammerspielartig in einer Extremsituation verdichtet und zugleich den Blick weitet: auf die grundlegende Ungleichheit im Verhältnis von Nord und Süd. In Ascension hätte Rike nicht nur Darwins blühendes Biotop gefunden, sondern auch englische und amerikanische Militärbasen.

Der "Film des Monats" der Jury der Evangelischen Filmarbeit ist die einzige durch eine Jury vergebene Auszeichnung für einen aktuellen Kinofilm. Die Jury der Evangelischen Filmarbeit ist ein unabhängiges Gremium. Ihre Mitglieder werden von Einrichtungen der evangelischen Kirche ernannt. Die Jury zeichnet Filme aus, die dem Zusammenleben der Menschen dienen, zur Überprüfung eigener Positionen, zur Wahrnehmung mitmenschli­cher Verantwortung und zur Orientierung an der biblischen Botschaft beitragen. Die Arbeit der Jury wird vom Filmkulturellen Zentrum im Gemeinschaftswerk der Evangelischen Pub­lizistik (GEP) betreut. Weitere Informationen: http://www.filmdesmonats.de