Fernsehwochenvorschau: Flüchten mit christlichem Segen

LEGAL, SICHER, CHRISTLICH, "Fluchthilfe im Namen des Papstes"

Foto: BR/Alessandra Molinari

Szenenbild aus der ARD-Dokumentation "Legal, sicher, christlich" über zwei christliche Fluchtkorridore aus Syrien.

Fernsehwochenvorschau: Flüchten mit christlichem Segen
Fernsehwochenvorschau vom 27. Juli bis 8. August
"Legal, sicher, christlich" heißt die ARD-Dokumentation über zwei sichere, christlich organisierte humanitäre Korridore von Syrien nach Europa, zu sehen am 30. Juli. Ansonsten lohnt sich in der kommenden Woche eine Astronomie-Doku, ein Fernsehgottesdienst vom Bodensee, eine Begegnung mit Samuel Koch und Rentnern an der Nordsee.

28.7., Arte, 20.15 Uhr: "Die Jesuiten und die chinesische Astronomie"

Ende des 16. Jahrhunderts kommt während der Ming-Dynastie mit dem jungen italienischen Priester Matteo Ricci zum ersten Mal ein Jesuit nach China, um das Land zu missionieren. Im Alter von 18 Jahren war er in den Jesuitenorden eingetreten und hatte am Jesuitenkolleg in Rom Philosophie, Mathematik, Astronomie und Kosmografie studiert. In Asien entdeckte der in Geometrie und Algebra bewanderte Mönch die chinesische Astronomie, ihre Kalender und ihre weit entwickelten Instrumente. Schon bald wurde ihm klar, dass die Kunst der Zeitmessung und der Vorhersage von Himmelsereignissen die Grundlage der kaiserlichen Autorität bildet. 1601 kam Ricci schließlich nach Peking und dort auch in die Verbotene Stadt; er erhielt die Erlaubnis, sich in der Hauptstadt niederzulassen. Bald konnten ihm weitere Jesuiten aus Europa folgen. Wegen seiner mathematischen, geografischen und astronomischen Fähigkeiten wurde dann auch Kaiser Wanli auf ihn aufmerksam. Schließlich fand Ricci Verbündete in den Zirkeln der Macht. Er fand große Anerkennung bei den Chinesen, da er die erste Weltkarte herausbrachte, auf der China, gemäß chinesischer Vorstellungen, genau in der Mitte der bekannten Welt dargestellt wird.

Drei Generationen von Jesuiten wurden von ihm ausgebildet, um den Machtkampf im Inneren der Verbotenen Stadt für sich zu entscheiden. Ihr Ziel war es, den Kaiser und mit ihm ganz China zum Christentum zu bekehren. Geführt werden sollte der Kampf mit den Mitteln der Mathematik auf dem Feld der Astronomie, die im Okzident gerade von der kopernikanischen Revolution erschüttert wurde. Ein zweiter Film, "Die Jesuiten und die chinesische Astronomie", beschreibt, wie es nach Riccis Tod weiterging: Der Jesuit und Astronom Adam Schall von Bell setzte das Werk seines Vorgängers fort. Der Bürgerkrieg und das tragische Ende des letzten Ming-Kaisers Chongzhen stürzten China ins Chaos. Zu der für den 1. September 1644 angekündigten Sonnenfinsternis benötigten die neuen Machthaber eine zuverlässige Vorhersage. Schall von Bell begann mit der Erstellung eines neuen Kalenders nach westlichem Vorbild und nutzte die Gelegenheit, die Jesuitenmission neu zu beleben. Er wurde zum Leiter des kaiserlichen astronomischen Instituts berufen, außerdem Mandarin erster Klasse und wichtigster Berater des ersten Mandschu-Kaisers Shunzhi. Zum ersten Mal bekleidete ein Missionar ein solches Amt; noch nie zuvor wurde einem Ausländer eine so hohe Ehre zuteil.

Nach dem Tod des Kaisers stieß der Bekehrungseifer der Jesuiten auf wachsenden Widerstand in der Verbotenen Stadt. Schall von Bell wurde der Zugehörigkeit zu einer mit der rechten Ordnung unvereinbaren Religionsgemeinschaft und der Verbreitung falscher astronomischer Lehren beschuldigt, zum Tod verurteilt und 1664 in den Kerker geworfen. Er sollte bei lebendigem Leibe bei einem Schauprozess zerstückelt werden. Andere Jesuiten, die in China weilten, wurden ebenfalls verhaftet. Schall wurde jedoch begnadigt und starb am 15. August 1666 an den Folgen eines Schlaganfalls. Obwohl die Jesuiten in China in Ungnade gefallen waren, versuchte sein Nachfolger, der flämische Astronom und Jesuitenmissionar Ferdinand Verbiest, den von Ricci ein Vierteljahrhundert zuvor begonnenen Auftrag doch noch zum Erfolg zu führen. Der von Adam Schall von Bell reformierte traditionelle chinesische Kalender gilt bis heute.

29.7., ZDF, 9.30 Uhr: "Evangelischer Gottesdienst: Das gönn' ich dir"

Die "Hohentwiel", das älteste Schiff auf dem Bodensee, ist Schauplatz eines ganz besonderen Gottesdienstes. Die Passagiere können die Fahrt über den See mit Stationen in Österreich, Deutschland und der Schweiz mit allen Sinnen genießen. Für Pfarrer Ralf Stoffers und seine Gemeinde ist dies ein Anlass, im Gottesdienst während der Überfahrt die Großzügigkeit Gottes zu feiern. "Gott weiß, was die Menschen brauchen für ein erfülltes und glückliches Leben", sagt der Bregenzer Pfarrer. "Das sehen wir Menschen oft nicht. Statt auf die Großartigkeit der Schöpfung und des Lebens zu schauen, sehen wir die vermeintliche Besserstellung des Nachbarn." Für ihn geht es darum, Gottes Geschenk auch anderen zu gönnen und weiterzugeben. Musikalisch begleiten den Gottesdienst die Lindauer Bläsergruppe unter der Leitung von Andreas Baumann, der Kirchenchor Hard, Leitung Renate Hartlmayr-Jenny, und Norbert Dehmke am Saxofon und der Flöte.

29.7., ARD Alpha, 22.30 Uhr: "Streetphilosophy: Lebe für den Ruhm!"

Was taugt als Richtschnur fürs Leben? Wer sind wir und wie wollen wir leben? Fernab vom Elfenbeinturm bringt "Streetphilosophy" die wirklich wichtigen Fragen des Daseins dorthin zurück, wo sie entstehen: auf die Straße, unter die Menschen, in die Dönerbuden und "Spätis" (Läden mit Spätverkauf); vom Denkerstübchen raus auf die Straßen von Kreuzberg und Neukölln. Thema diesmal: "Lebe für den Ruhm!" Spätestens seitdem es Selfies, Likes und Plattformen wie Instagram gibt, gehört dieses Motto zu unserem Alltag. Jonas Bosslet geht der Frage nach, warum man sich immer und überall selbst darstellen will und die ganze Welt zur Bühne macht: vor den Freunden, in der Liebe, auf Instagram und Facebook. Warum ist es erstrebenswert, von möglichst vielen Menschen "Likes" zu bekommen? Um welche Form von Anerkennung geht es dabei? Macht Ruhm satt oder süchtig?

29.7., Tagesschau24, 22.02 Uhr: "Eine besondere Premiere"

Öffentlich darf in Israel bis heute keine Musik von Richard Wagner gespielt werden. Wagner war Antisemit, und schlimmer: Adolf Hitler liebte Wagner und war auf dem Grünen Hügel in Bayreuth ein gern gesehener, häufiger Gast. So erinnert Wagners Musik viele Juden und KZ-Überlebende an ihre schlimmste Zeit. Nun hat sich das Israel Chamber Orchestra 2011 entschieden, Wagner zu spielen, allerdings nicht in Israel. Das Orchester wird auf Initiative von Festspielchefin Katharina Wagner ein Konzert im Rahmen der Bayreuther Wagner-Festspiele geben, gleich zu Beginn.

Es werden Werke jüdischer und israelischer Komponisten aufgeführt und Musik von Richard Wagner.
In Israel wird schon jetzt Unmut darüber laut. Knesset-Abgeordnete fordern eine sofortige Streichung der Subventionen für das Orchester. Holocaust-Überlebende wollen nach Bayreuth fahren, um dort das Konzert zu stören, zu dem angeblich auch die Bundeskanzlerin kommen wird. Was wird geschehen? Richard C. Schneider, Leiter des ARD-Fernsehstudios in Tel Aviv, begleitete das Orchester 2011 bei diesem Projekt mit einem BR-Kamerateam: bei den Proben in Israel, dem Flug nach München, der Busfahrt nach Bayreuth und den Tagen dort bis zur Aufführung. Er fragt die Musiker ebenso wie die Menschen in Bayreuth, was sie von dieser Idee halten: mit solch einem Konzert ein Stück 'Normalität' zu wagen, einen weiteren Schritt hin zur Aussöhnung zwischen Juden und Deutschen zu beschreiten.

30.7., ARD, 23.30 Uhr: "Legal, sicher, christlich"

Vor mehr als vier Jahren ertranken fast 400 Flüchtlinge wenige Seemeilen vor Lampedusa. "Schande", rief damals Papst Franziskus in Richtung Europa. Für viele Katholiken und Protestanten in Italien war das eine Tragödie, die sie so nicht hinnehmen wollten. Waldenser, Caritas und die Laienvereinigung Sant' Egidio beschlossen eine Initiative. Ihr Ziel: legale Fluchtmöglichkeiten zu schaffen. Sie organisierten einen humanitären Korridor. Vor allem schutzbedürftige Menschen aus Syrien, geflüchtet in den Libanon, sollten die Möglichkeit erhalten, legal und auf sicherem Weg nach Italien zu reisen, um sich dort ein neues Leben aufbauen zu können. Rund tausend Visa wurden vergeben und Menschen mit "christlichem Flugticket" aus dem Libanon nach Italien geflogen.

Inzwischen ist ein weiterer humanitärer Korridor entstanden. Er führt von Äthiopien nach Italien. Diejenigen, die ausgewählt werden, können ihr Glück kaum fassen. Doch warum wurden genau sie ausgesucht? Die im Nachbarzelt lebende Familie bräuchte doch die gleiche Hilfe? Warum ist der eine besonders schutzbedürftig, der andere aber nicht? Gibt es einen Kriterienkatalog, nach dem gehandelt wird? In Äthiopien warten angeblich rund 800.000 Flüchtlinge darauf, eines der begehrten Flug-Tickets und damit ein Visum für Italien zu erhalten. Ist ihr Schicksal am Ende der Entscheidung einer Hand voll christlich motovierter Helfer überlassen? Ellen Trapp hat mehrere Flüchtlinge auf ihrem Weg nach Italien begleitet und anschließend beobachtet, wie sie in Italien ein neues Leben beginnen. Außerdem schildert sie in ihrem Film, mit welcher Motivation die christlichen Fluchthelfer handeln, allen nationalistischen und auf Abschottung bedachten Kräften zum Trotz. Tagesschau 24 wiederholt den Film am 3. August um 21.17 Uhr.

30.7., 3sat, 0.05 Uhr: "37 Grad: Vorwärts ins Leben"

Der Unfall markierte den Anfang vom Ende des ZDF-Dauerbrenners "Wetten, dass..?", aber vor allem änderte er das Leben von Samuel Koch für immer: Im Dezember 2010 verletzte er sich bei dem Versuch, über ein fahrendes Auto so schwer, dass er seither querschnittsgelähmt ist. Doro Plutte hat den Schauspieler vier Jahre lang begleitet. Was ist das Leben noch wert, wenn alle Pläne zerbrechen? Diese Frage stellt sich Koch seit seinem Unfall immer wieder. Die Reportage sucht mit ihm nach Antworten, erlebt ihn auf und hinter der Bühne, verliebt und verletzt, hilflos und helfend; Plutte begegnet einem jungen Mann zwischen Hoch-Zeiten und Selbstzweifeln. Der Unfall bei "Wetten, dass..?" liegt zu Beginn der Dreharbeiten fast vier Jahre zurück. Hat man anfangs noch auf große körperliche Fortschritte gehofft, stagniert Samuels Zustand mittlerweile. Er kann einzelne Finger bewegen und durch die Kraft in den Schultern die Arme heben. So kann er Rollstuhl und Smartphone bedienen, für alles andere braucht er Hilfe und rund um die Uhr Betreuung.

Trotz allem bleibt er in Bewegung und reist durch die Republik. Die Langzeitdokumentation zeigt ihn in seiner ersten Hauptrolle am Theater und begleitet die Entstehung seines zweiten Buches. Mit Angela Merkel und Joachim Gauck feiert er das Reformationsjubiläum in Wittenberg. Noch wichtiger als die Gespräche mit Prominenten sind ihm die Begegnungen mit anderen Behinderten.

Jede Reise ist mit hohem logistischem Aufwand verbunden, allein schon, um den 180 Kilogramm schweren Elektrorollstuhl zu transportieren. Dazu kommen die besonderen Herausforderungen, von denen kaum jemand ahnt, der nicht selbst betroffen ist: Samuel entdeckt eines Tages eine Verletzung am Knie, von der er nicht weiß, wann und wie sie entstanden ist, weil er die Schmerzen nicht spürt. Er muss sofort ins Krankenhaus, denn werden solche Wunden nicht behandelt, können sie sich entzünden. Im schlimmsten Fall muss amputiert werden. Zwischendurch tritt die große Liebe in sein Leben, als er die Schauspielkollegin Sarah Elena Timpe kennenlernt. Plutte dokumentiert die Hochzeitsplanungen beginnen und zeigt, wie Koch eine Möglichkeit findet, mit seiner Braut zu tanzen. Aber der Film macht auch keinen Hehl daraus, welche Herausforderungen diese ungewöhnliche Beziehung im Alltag bestehen muss. Wie ist das beispielsweise, immer von Assistenten und Pflegern umgeben zu sein? Wie viel Privatsphäre ist dann für das Paar noch möglich?

Koch trainiert jeden Tag mit seinen Physiotherapeuten an einem Trainingsrad oder im Laufroboter. Ob es was bringt, weiß man nicht", sagt er, "aber wenn man nichts macht, bringt es auf jeden Fall nichts." Oft sieht er andere Gelähmte, die jeden Antrieb verlieren. Das macht ihn traurig. Und dann wieder sind da Menschen mit ähnlichen Einschränkungen, die ihn beeindrucken. So wie die sechsjährige Elva. Sie ist von Geburt an gelähmt. "Für sie ist es ganz normal, um Hilfe zu bitten. Für mich ist das oft noch schwer. Da kann ich viel von ihr lernen. Denn, mal ehrlich, wofür lohnt es sich zu leben, außer mit anderen Menschen?"

Was also ist das Leben noch wert? Koch findet am Ende des Films eine Antwort und zeigt durch sein Beispiel, wie kostbar jeder einzelne Moment ist.

31.7., ZDF, 22.15 Uhr: "37 Grad: Im Ruhestand am Nordseestrand"

Nordseewellen, saubere Luft, keine Autos, wenig Stress und viel Ruhe: Die ostfriesische Insel Baltrum ist  ein Ferienparadies. Für viele Senioren ist es ein Herzenswunsch, hier auch im Alter zu leben. Johann Ahrends beschreibt, wie dieser Lebensabend aussieht. Um ihn zu ermöglichen, ist der Pflegedienst "Gode Tied" gegründet worden. Der Verein hat 160 Mitglieder, jeder zahlt 60 Euro pro Jahr, zwei Pflegerinnen werden durch Pflegegeld und Krankenkasse bezahlt, so können die Senioren zu Hause versorgt werden. Davon profitieren auch pflegebedürftige Urlauber und die Zugereisten, die auf der Insel im Alter Gemeinschaft und Unterstützung suchen. Die Reportage begleitet alte Insulaner und zugewanderte Senioren.

Zum Beispiel Olga: Sie ist 93 Jahre alt und genießt die Fürsorge ihrer Kinder, Enkel und Urenkel. Alle leben auf der Insel; die meisten vermieten an Feriengäste oder arbeiten in der Gastronomie. Olga ist gleich nach dem Krieg nach Baltrum gekommen und hat zusammen mit ihrem Mann in einer Bretterbude Lebensmittel verkauft. Seit siebzig Jahren kümmert sie sich um die Buchführung, zuletzt auch für den Hotelbetrieb ihres Enkels Olaf. Dessen Tochter Lena ist jetzt in den Betrieb eingestiegen und wird gerade von ihrer Uroma eingearbeitet. Olgas Lebensmotto ist: so selbstständig wie möglich bleiben! Sie kocht manchmal für die Familie, geht einkaufen und fährt auch selbstständig mit ihrem Elektromobil zum Arzt. Einmal am Tag kommt der Pflegedienst und versorgt die rüstige Rentnerin mit Kompressionsstrümpfen. Im Sommer heiratet ihr erster Urenkel Nils; da möchte sie auf alle Fälle dabei sein.

Nicht mehr ganz so rüstig ist Jupp (80), der als fröhlicher Gastwirt zum Inseloriginal wurde. 1966 kam er zusammen mit Ehefrau Ulla nach Baltrum und hatte es anfangs nicht leicht mit den Einheimischen. Aber Jupp mischte sich schnell überall ein, spielte Theater, predigte in der Kirche und saß im Inselrat. Und während seine Frau im Restaurantkeller das Essen kochte, versorgte er die Gäste an der Theke mit Getränken und Witzen. Doch nun musste er den "Seehund" an seine Tochter Martina übergeben, denn Jupp ist krank. Mehrmals musste er schon mit dem Hubschrauber ans Festland ins Krankenhaus gebracht werden. Zurück auf der Insel, wird er nun jeden Morgen vom Pflegedienst versorgt. Jupp hat einen sehnlichen Wunsch: Er will auf der Insel bleiben.

Renate (69) und Günther (80) leben erst seit sieben Jahren auf Baltrum. Renate hat nur noch ein Drittel ihrer Lunge und braucht die Nordseeluft zum Atmen. Die Integration war anfangs nicht leicht. Doch Günther ist Musiklehrer und hat auf der Insel eine Brassband mit Jugendlichen gegründet, um Kontakt zu bekommen. Die beiden haben bereits auf anderen Nordseeinseln gelebt, aber auf Baltrum können Rollstuhlfahrer direkt ans Meer fahren. Mitten im Dorf haben sie ein kleines Haus gebaut: für einen ruhigen Lebensabend ohne Autos, Lärm und Stress. Renate geht es seitdem besser. Dafür wird Günthers Gesundheitszustand immer schlechter. Er hat Diabetes und muss vom Pflegedienst versorgt werden. Günther möchte noch sein letztes großes Konzert in der Inselkirche geben.

31.7., Arte, 0.40 Uhr: "Nicki will ausziehen"

Nicki Gerlach ist 28 und lebt in Hamburg. Dass er das Down-Syndrom hat, ist für ihn kein Grund, auf etwas in seinem Leben zu verzichten, ganz im Gegenteil: Er fährt begeistert auf Skiern die Berge herunter, arbeitet als Theaterschauspieler und ist gerade wieder frisch verliebt. Doch Nicki wohnt noch zu Hause, und das will er seit Jahren ändern. Seit seine Mutter vor ein paar Jahren an Krebs starb, hat sein Vater Rainer die alleinige Verantwortung für seinen behinderten Sohn. Nicki ist über all die Jahre ein großer Teil seines Lebensinhaltes geworden, und ihn jetzt ziehen zu lassen, fällt ihm schwer. Aber Selbstständigkeit ist wichtig für Nicki, gerade wegen seiner Behinderung. So sehr er die Fürsorge seines Vaters auch genießt, er fühlt sich immer mehr bevormundet und eingeengt. Wie sein großer Bruder Christoph möchte er in einer eigenen Wohnung leben. Doch wie soll er seinen Vater überzeugen und wie eine geeignete Wohnform finden? Zwar können Menschen mit Down-Syndrom ein sehr selbstständiges Leben führen, aber sie werden immer auf Hilfe angewiesen sein.

Der Dokumentarfilm begleitet Nicki ein Jahr lang und zeigt, welche Möglichkeiten es für Menschen mit geistiger Behinderung gibt, die von Zuhause ausziehen wollen. Nicki zu kennen empfinden viele als große Bereicherung. Vor allem Nichtbehinderte äußern immer wieder, dass sie viel von ihm lernen können. Mittlerweile kann das Down-Syndrom bereits in einem sehr frühen Schwangerschaftsstadium festgestellt werden. Deshalb prophezeien Humangenetiker, dass es vielleicht schon bald keine Menschen wie Nicki mehr geben wird. Der Film macht auch deutlich, was unserer Gesellschaft dadurch verloren ginge.

1.8., ZDF, 0.15 Uhr: "Zaatari - Leben im Nirgendwo"

Inmitten der jordanischen Wüste entstand im Juli 2012 das Flüchtlingslager Zaatari, das sich schnell zur viertgrößten Stadt Jordaniens entwickelte. Niemand der 80.000 Bewohner Zaataris hat erwartet, jahrelang hier bleiben zu müssen. Der Gedanke, dass dieses Leben auf einem gigantischen Campingplatz die Endstation sein soll, ist für viele unerträglich. Dennoch versuchen sie, sich auf Dauer einzurichten und nach vorne zu blicken. Der Maler Mohammad Al-Jaukhadar möchte ein Stück der zerstörten Heimat nach Zaatari bringen und beginnt, die Wohncontainer zu bemalen. Er lässt Plätze aus Syrien wieder auferstehen und belebt so das eintönige Weiß des Wüstencamps.

Aber für viele bleibt es schwer, die neue Situation hinzunehmen, vor allem Jugendlichen fehlt es an Perspektiven. Mubarak ist 19 und wollte eigentlich Lehrer werden. Doch der Krieg nahm ihm diese Zukunftspläne. In Zaatari gibt es zwar ein Schulwesen, aber danach keine Weiterbildungsmöglichkeiten. Mubarak ist frustriert und wütend, er sehnt sich danach, sein Leben wieder in die Hand zu nehmen. Ahmad Harb arbeitet mit Jugendlichen im Camp daran, mit ihrem Frust und ihren Problemen umzugehen. Er hat ein Theater aufgebaut und probt mit jungen Schauspielern bereits sein zehntes Stück. Derzeit ist es "Der Sturm" von William Shakespeare, es spiegelt die Situation der Flüchtlinge wider. Der Dokumentarfilm zeigt das Leben der Flüchtlinge, die angesichts schwerster familiärer und materieller Verluste über sich hinauswachsen und außergewöhnliche Wege entwickeln, um für sich und ihre Familien ein neues Leben aus dem Nichts aufzubauen.

1.8., BR, 19.00 Uhr: "Stationen: Der Klang des Lebens"

Die Beschäftigung mit dem Judentum kam allmählich, erzählt die Münchnerin Susanne Weinhöppel. Ihre Mutter lebte mit den Kindern lange in den USA. Sie hatte alles, was jüdisch war, verschwiegen und verbannt und einen Katholiken geheiratet. Der ließ seine drei Töchter streng katholisch aufwachsen. Erst im Erwachsenenalter wandte sich Susanne der Auseinandersetzung mit dem Judentum zu, allerdings ohne ein jüdisches Leben mit seinen Ritualen und Traditionen zu führen.

Später heiratete sie einen jüdischen Mann, der wiederum unter seinen Eltern gelitten hatte; die hatten als Nachfahren von Holocaustopfern ihren Kindern ein umso strengeres jüdisches Leben aufoktroyiert. Miteinander lachen die beiden oft über die Neurosen ihrer Eltern. Und ab und zu musizieren sie zusammen, er mit Gesang, sie an der Harfe. Andrea Roth stellt eine Frau vor, die die Welt mit Klang reparieren will. Mal kämpferisch, dann wieder zärtlich erzählt sie Geschichten, Gratwanderungen zwischen Trauer und Lebensfreude, Sehnsucht und Ironie, Hoffnung und Witz.

2.8., WDR, 22.10 Uhr: "Menschen hautnah: Wie ich mein Glück wiederfand"

Barbara hatte ihr Glück eigentlich gefunden: mit ihrem Mann Heli, ihrem sechsjährigen Sohn Thimo und der knapp zweijährigen Fini waren sie eine bunte, fröhliche Familie. Babara und Heli verdienten ihr Geld als Clowns und hatten nebenher viel Zeit für ihre Kinder. Doch von einer Sekunde auf die andere war alles zu Ende. Vor zehn Jahren verlor Barbara Pachl-Eberhart durch einen schweren Verkehrsunfall ihren Mann und die Kinder. Sie blieb allein zurück. Wie kann man nach einem solchen Schicksalsschlag weiterleben? Als Clown hat Barbara gelernt, dass die Realität das ist, was man aus ihr macht. Mit all der Phantasie, die einem zur Verfügung steht. Barbara stellt sich ihrem Schicksal. Mit Mut, Offenheit und großer innerer Stärke kämpft sie sich zurück ins Leben.

Den Tag des Unfalls bezeichnet sie als Wendepunkt. Denn das bunte Clowns-Leben mit Heli, Thimo und Fini ist unwiederbringlich vorbei. Das Leben, was sie nun gestaltet, ist ein ganz anderes. Vier Monate nach dem Unfall lernt Barbara durch ihre Freundin einen Mann kennen und verliebt sich in ihn. Viele Menschen in ihrem Umfeld irritiert das, sie können nicht damit umgehen. Doch Barbara lässt sich nicht beirren, sie beginnt ein Buch über ihre Geschichte zu schreiben, das zum Bestseller wird, sie hält Vorträge über Resilienz und Trauerbewältigung, entdeckt das biografische und kreative Schreiben. Nach einiger Zeit zieht sie vom Dorf zu ihrem neuen Freund in die Stadt. Und schließlich, vor eineinhalb Jahren, wird sie noch einmal Mutter.

Mit der kleinen Erika bekommt ihr Leben eine ganz neue Richtung. Nun sind sie eine Patchwork-Familie, sagt Barbara. Denn Heli, Thimo und Fini sind zwar gestorben, aber im Herzen immer dabei. Der Film begleitet Barbara Pachl-Eberhart durch ihr zweites Leben, bei der Arbeit, mit ihrer Familie, im Gespräch mit ihrem neuen Mann. Wie kann eine junge Liebe bestehen, wenn die verstorbene Familie ein ständiger Begleiter ist? Und woher nimmt Barbara die innere Stärke, das neue Leben zu meistern und zu genießen, ohne das alte zu vergessen?

2.8., WDR, 22.40 Uhr: "Menschen hautnah: Acht Kinder und glücklich"

Es gibt sie noch, die Großfamilie mit acht Kindern und ohne größere Probleme. Die Kinder gehen aufs Gymnasium, spielen begeistert Musikinstrumente oder treiben Leistungssport. Die Mutter hat das Studium aufgegeben und ist zu Hause geblieben und der Vater arbeitet am Abend, damit er tagsüber auch Kinder betreuen kann. Trotzdem: Acht Kinder in Zeiten von Kleinfamilie und Emanzipation, wie schafft man das? Das Einkommen der Großfamilie Adler ist bescheiden, die Vierzimmer-Wohnung in der Düsseldorfer Altstadt eher klein für zehn Menschen. Mutter Monika schläft mit drei Kindern zusammen, Vater Paul übernachtet seit Jahren im Wohnzimmer.

Trotzdem klappt das Familienleben immer noch gut; in jeder Hinsicht. Einige Wünsche der Eltern, wie ein gemeinsamer Kinobesuch, müssen zwar zurück gestellt werden, aber sie leisten sich auch Außergewöhnliches, meist für die Kinder. Luise, die Älteste zum Beispiel, hat ein eigenes Zimmer und besitzt das größte und teuerste Musikinstrument, das sich denken lässt, eine Konzert-Harfe. Wenn sie auswärts in Essen übt, wird das Rieseninstrument die vier Treppen hinunter getragen und dann mit Bahn und Bus transportiert; ein Auto haben die Adlers nicht. Ein Geheimnis des Erfolgs: Der Alltag ist perfekt durchorganisiert und jeder versucht, den Laden irgendwie zusammen zu halten.