Lebensnahe Themen

Was können wir für die Medienarbeit aus dem Reformationsjubiläum lernen?
Szene aus dem Film "Katharina Luther" mit Devid Striesow als Martin Luther und Karoline Schuch als Katharina von Bora

Foto: Hardy Brackmann/ZDF/epd-bild

Szene aus dem Film "Katharina Luther" mit Devid Striesow als Martin Luther und Karoline Schuch als Katharina von Bora.

Was können wir für die Medienarbeit aus dem Reformationsjubiläum lernen? Die Frage beantwortet Markus Bräuer, Medienbeauftragter der EKD und Theologischer Vorstand im GEP.

Nicht auf den Absender kommt es an, die Adressaten stehen im Mittelpunkt. Wer sich konsequent an diesen Leitsatz hält, kommt zwangsläufig zu der Frage: Was ist für die Zuschauerinnen und Zuschauer von Interesse? Mit vielen Film- und Fernsehbeiträgen ist es im Reformationsjubiläumsjahr besonders gut gelungen, die richtige Antwort darauf zu finden und somit viele Menschen zu erreichen.

In einer dreiteiligen ZDF-Dokumentation taucht Harald Lesch in der Sendereihe "Terra X – Der große Anfang" in die Welt Martin Luthers ein. Er zeigt eine Zeit voller Widersprüche, ungeahnter Zusammenhänge und Weichenstellungen, die bis heute unser Leben bestimmen. Harald Lesch stellt die Reformation in den Kontext der damaligen Zeit. Amerika wird entdeckt, der Buchdruck erfunden, Banken gewinnen an Macht, die Renaissance erreicht ihren Höhepunkt, der Mensch erfindet sich neu.

2017 ist das Thema der Reformation nicht nur in diesem Format für Sender und Produzenten spannend gewesen. Auf sehr verschiedene Weisen haben auch zwei weitere Filme die Rolle der Reformation für unser heutiges Leben aufgenommen.

"Katharina Luther", der Eventfilm, den die evangelische Filmproduktionsfirma Eikon mit Karoline Schuch und Devid Striesow in den Hauptrollen für die ARD produzierte, erreichte allein 7,5 Millionen Menschen. Ein Spitzenwert an einem Mittwoch um 20.15 Uhr im Ersten. Die Reformation aus der Sicht der Frau zu erzählen, auf die später ein neues Eheverständnis und die Begründung des evangelischen Pfarrhauses zurückgeführt werden wird, war ein neuer und berührender Ansatz, den es im Film noch nicht gab.

Was bedeutet die Freiheit eines Christenmenschen?

Dass die Reformation auch eine politische ­Dimension hat, zeigt "Zwischen Himmel und Hölle", der Eventfilm im ZDF. In einer zugespitzten Dramaturgie nehmen Martin Luther und Thomas Müntzer die Zuschauerinnen und Zuschauer mit in die Welt des gewalttätigen Mittelalters, wo sie um den rechten Weg der Erneuerung von Kirche und Gesellschaft ringen.

In den zehn Gottesdiensten der ARD und 28 evangelischen ZDF-Gottesdiensten im Jahr 2017 wurde danach gefragt, was die Freiheit eines Christenmenschen und die befreiende Aussage bedeutet, dass der Mensch mehr ist als seine Leistung. Aktuelle Anfragen an das Leben, gestellt in der je konkreten Situation in der Aufnahme von Geflüchteten und in der Zuwendung der Geängstigten, in der Begleitung von Kranken ebenso wie im Gegenüber zu den Leistungsstarken. Was hat zu dem Erfolg der verschiedenen Sendungen geführt? Was können wir daraus für die Zukunft zur medialen Gestaltung weiterer kirchlicher Ereignisse lernen?

Zum Ersten verbindet alle genannten Formate die konsequente Suche nach dem Interesse der Zuschauerinnen und Zuschauer und damit auf den Punkt gestellte Fragen: Was hat der Inhalt mit dem konkreten Leben der Zuschauerinnen und Zuschauer zu tun? Welche kognitive Erkenntnis können sie gewinnen? Was wird sie emotional berühren? Mit dem Anliegen der Absender verbindet sich eine solch klare Zuschauerorientierung nicht immer. Die meisten Menschen, die unsere Kirche medial erreichen möchte, interessieren sich nicht so sehr für das Jubiläum eines kirchlichen Bundes oder das Fest einer Kirchweihe und erst recht nicht für den regionalen Proporz bei der Auswahl von Übertragungsorten. Es sind die lebensnahen Themen, die Menschen ansprechen, die ihnen ethische Orientierung geben und spirituelle Hoffnung vermitteln können.

Die Qualität muss stimmen

Als Zweites kommt es auf die Qualität an. Eine gut abgestimmte Dramaturgie im Fernsehfilm wie im Dokudrama fesselt die Zuschauenden, im Fernsehgottesdienst ist Rollenklarheit ebenso erforderlich wie die Auswahl von bildstarken Kirchen, in denen das Auge sich kaum sattsehen kann, ausstrahlungsstarken und möglichst frei sprechenden Predigerinnen und Predigern und hochwertiger Musik. Das sind Faktoren, die das Publikum binden und zum Mitfeiern einladen.

Und drittens ist es beispielhaft gelungen, das Anliegen der Reformation konzertiert in die Gesellschaft hineinzutragen. Die von langer Hand vorbereiteten zehn Themenjahre, das abgestimmte Handeln in den Landeskirchen und der EKD, die Einbindung von prominenten Protestantinnen und Protestanten in die Botschafterkampagne des Gemeinschaftswerkes der Evangelischen Publizistik haben gezeigt, dass in der evangelischen Kirche ein gemeinsames Handeln gute Frucht bringt.