Güler: Forderung nach deutschem Islam berechtigter denn je

Verteidigung der geplanten Neuausrichtung der Islamkonferenz für die Suche nach einem "deutschen Islam".

Foto: epd-bild/Jürgen Blume

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Die nordrhein-westfälische Staatssekretärin für Integration, Serap Güler (CDU), hat die geplante Neuausrichtung der Islamkonferenz für die Suche nach einem "deutschen Islam" verteidigt. Drei der vier großen Islamverbände seien geprägt vom türkischen Islam, zunehmend nicht mehr theologisch, sondern politisch, schreibt Güler in einem Gastbeitrag für die Tageszeitung "Die Welt" (Donnerstag). Die Forderung nach einem deutschen Islam sei "berechtigter denn je".

Sie wünsche sich einen Islam, der die theologische Auseinandersetzung in den Mittelpunkt rücke, die Aufklärung dabei nicht ignoriere und eine kritisch-historische Debatte zulasse und befördere. Er solle sich politisch positionieren, wie es christliche Kirchen auch täten. "Er darf aber keine Politik betreiben", schreibt Güler.

Der für die Islamkonferenz zuständige Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Markus Kerber, hat angekündigt, die Islamkonferenz neu aufzustellen. Er will nicht mehr nur mit den größeren Verbänden sprechen, sondern neue Initiativen junger Muslime mit an den Beratungstisch holen. Die Zusammenarbeit mit den Verbänden stieß in der Vergangenheit regelmäßig an Grenzen, weil sie nur eine Minderheit der in Deutschland lebenden Muslime repräsentieren. Zudem belastete die enge Verbindung des größten Moscheeverbands Ditib zur türkischen Regierung die Zusammenarbeit mit dem deutschen Staat.

Der Islam hat bislang in Deutschland noch keine als Körperschaft öffentlichen Rechts anerkannte Form gefunden, wie sie bei Kirchen und jüdischen Gemeinden Grundlage zur Wahrnehmung bestimmter Rechte von Religionsgemeinschaften sind. Ziel der Islamkonferenz müsse die rechtliche Integration des Islam sein, schreibt der ehemalige Grünen-Chef Cem Özdemir in einem weiteren Gastbeitrag für die "Welt", die mehrere reformorientierte Muslime zu ihrer Vision für den Islam in Deutschland fragte. "Es braucht Klarheit über die konkreten Aufgaben des Staates, der islamischen Verbände und der unabhängigen Muslime", schreibt Özdemir.

Zwei Experten warnten aber davor, das Organisationsmodell der Kirchen auf den Islam zu übertragen. "Wer immer noch versucht, den Islam in kirchliche Strukturen zu zwingen, wird noch lange nach geeigneten Partnern auf muslimischer Seite suchen", schreibt der Psychologe und Autor Ahmad Mansour. Der Politikwissenschaftler Bassam Tibi lehnte eine "Verkirchlichung" ebenfalls ab: "Das Kirchensystem, in dem religiöse Funktionäre manchmal reden wie Bundespräsidenten, passt nicht zum Islam."