Bedford-Strohm beklagt Mangel an Empathie bei Abschiebungen

Heinrich Bedford-Strohm

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Heinrich Bedford-Strohm plädiert für mehr Einfühlungsvermögen in der Flüchtlingspolitik.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, beklagt fehlende Empathie in der Debatte über Abschiebungen. "Immer mehr Menschen, besonders auch in den christlichen Kirchen, wollen den Auszug der Empathie aus den öffentlichen Diskussionen um die Flüchtlingspolitik nicht länger hinnehmen", sagte Bedford-Strohm dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland".

"Die Entwicklungen der letzten Tage machen dieses Anliegen umso dringlicher", sagt Heinrich Bedford-Strohm weiter.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte mit Äußerungen über Abschiebungen nach Afghanistan zum Teil scharfe Kritik geerntet. Zu Beginn der Vorstellung seines "Masterplans Migration" hatte der CSU-Chef am Dienstag in Berlin gesagt, dass "ausgerechnet" an seinem 69. Geburtstag vor einer Woche 69 Menschen nach Afghanistan zurückgeführt worden seien. "Das war von mir nicht so bestellt", sagte er. Am Mittwoch wurde bekannt, dass einer der Abgeschobenen leblos in einer Zwischenunterkunft in Kabul aufgefunden wurde. Offenbar hatte er sich selbst das Leben genommen.

"Es ist eine Atmosphäre entstanden, in der nicht die Rettung des Lebens von Menschen als Erfolg gesehen wird, sondern ihre Abschiebung in möglichst großer Zahl", sagte Bedford-Strohm. "Als Christen glauben wir, dass jeder Mensch geschaffen ist zum Bilde Gottes." Wer den christlichen Glauben ernst nehme, müsse in seinem öffentlichen Reden und politischen Handeln die damit verbundene Achtung vor jedem Menschen zum Ausdruck bringen, betonte der EKD-Ratsvorsitzende und bayerische Landesbischof.