Tote bei Anschlag in Äthiopien

Bei einem Anschlag auf eine Kundgebung der Regierung in Äthiopien sind am Samstag mehrere Teilnehmer getötet worden. Ministerpräsident Abiy Ahmed, der unmittelbar vor der Detonation eines Sprengsatzes auf dem größten Platz der Hauptstadt Addis Abeba geredet hatte, blieb staatlichen Medien zufolge unverletzt.

Als Täter machte der Regierungschef Kräfte verantwortlich, die gegen die Einheit Äthiopiens gerichtet seien. Der genaue Hergang des Anschlags war zunächst unklar. Vermutlich hatten Unbekannte eine Granate in die dichte Menschenmenge geworfen.

Ahmed, der Ende März als erster Angehöriger der Oromo-Volksgruppe Ministerpräsident wurde, engagiert sich für die Öffnung des jahrzehntelang autokratisch regierten Landes. So hatte er zuletzt gesperrte Fernsehsender und Internetseiten freigegeben und zahlreiche politische Gefangene aus der Haft entlassen. Während vor allem junge Äthiopier die Öffnung begrüßen und die Rebellengruppe Ginbot 7 am Freitag die Einstellung ihres bewaffneten Kampfes ankündigte, wächst der Widerstand unter den bisherigen Profiteuren des alten Regimes, die vor allem aus der Tigray-Minderheit im Norden Äthiopiens stammen.



Besonders umstritten ist der Versöhnungskurs mit dem Nachbarland Eritrea, mit dem einst ein kurzer Krieg geführt worden war. Ahmed hat angekündigt, die Entscheidung einer internationalen Schiedskommission von 2002 anzuerkennen, derzufolge Äthiopien die Ortschaft Badme und umliegende Landstriche an Eritrea abtreten muss. Eritreas Machthaber Isaias Afewerki sagte, zu, eine Verhandlungsdelegation nach Äthiopien zu entsenden, um konkrete Schritte zu vereinbaren.

Der früheren Regierung Äthiopiens waren schwere Menschenrechtsverletzungen zur Last gelegt worden. Ahmeds Vorgänger Hailemariam Desalegn trat schließlich nach fast drei Jahre währenden Massenprotesten zurück.