Yücel würdigt Engagement der Bundesregierung für seine Freilassung

Der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel nach seiner Freilassung aus dem Gefängnis.

Foto: Can Erok/DHA-Depo Photos/AP/dpa

Der Mitte Februar aus türkischer Haft entlassene Journalist Deniz Yücel hat erneut das Engagement der Bundesregierung für seine Freilassung gelobt.

Der Mitte Februar aus türkischer Haft entlassene Journalist Deniz Yücel hat erneut das Engagement der Bundesregierung für seine Freilassung gelobt.

"Ich glaube, die Bundesregierung war sehr in Sorge und hat sich nach Kräften um meine Freilassung bemüht. Wir hatten manchmal Differenzen. Aber die Bundesregierung stand sowohl politisch an meiner Seite als auch juristisch, also im Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte", sagte Yücel am Sonntag in einem ersten Interview nach seiner Freilassung, das er gemeinsam der "Welt am Sonntag" und der Berliner "tageszeitung" (online) gab. 

Zur Frage, ob die Bundesregierung für seine Freilassung Zugeständnisse gegenüber der Türkei gemacht habe, sagte Yücel, dass er die Türkei-Politik der Bundesregierung "nicht im Lichte meiner Geschichte bewerten" wolle. Er erinnerte aber daran, dass er im Gefängnis stets betont habe, er stehe für "schmutzige Deals" nicht zur Verfügung. "Aber ich wusste auch, dass es zur Natur einer Geiselnahme gehört, dass der Geiselnehmer seine Geisel freilässt, wenn er meint, eine Gegenleistung bekommen zu haben", so der Journalist. 

In dem ersten Interview nach seiner Freilassung gibt Yücel auch ausführlich Auskunft über sein privates Befinden und die Folgen der Inhaftierung. Es gehe ihm sehr gut, betonte der 44-Jährige: "Zum einen, weil ich das große Glück hatte, dass meine Frau Dilek immer an meiner Seite stand, mir den Heiratsantrag in den Knast geschickt und alles für mich getan hat, das gerade nötig war - Angela Merkel treffen, Socken in den Knast bringen, was auch immer." Zudem seien seine Anwälte, die "FreeDeniz"-Solidarität, seine Zeitung "Die Welt", die "taz", zahlreiche andere Journalisten, die Mahnwachen in seiner Heimatstadt Flörsheim, Autokorsos, Lesungen, Solidaritätsanzeigen, Preise und Briefe für ihn eine große Stütze gewesen.


Im Gefängnis sei er ein letztes Mal wütend gewesen, betonte Yücel: "Aber als ich vor das Gefängnistor trat, war das vorbei. Damit ist nichts vergessen und schon gar nicht vergeben. Aber meine Wut habe ich im Gefängnis gelassen." Für ihn gehöre es dazu, "sich nicht fertig machen zu lassen: nicht verbittert rauszukommen". 

Zur Frage, ob er wieder in die Türkei zurückkehren werde, wollte sich der Journalist noch nicht äußern. Als er im Frühjahr 2015 seien Korrespondentenjob in der Türkei antrat, habe er gewusst, worauf er sich einlasse. "Wenn man als Journalist in diesem Land lebt und seine Sache halbwegs ordentlich macht, lebt man gefährlich", sagte Yücel. 

Deniz Yücel hatte mehr als ein Jahr ohne Anklage in der Nähe von Istanbul in Untersuchungshaft gesessen. Ihm werden "Propaganda für eine Terrororganisation" und "Aufstachelung des Volkes zu Hass und Feindseligkeit" vorgeworfen. Dafür drohen ihm bis zu 18 Jahre Haft. Gleichzeitig verfügte ein Istanbuler Gericht Mitte Februar Yücels Haftentlassung. Das Verfahren gegen den Journalisten läuft weiter, ein erster Prozesstermin ist den Angaben zufolge im Juni angesetzt.