Anschläge auf Moscheen: Ermittler prüfen möglichen Zusammenhang

Anschläge auf Moscheen: Ermittler prüfen möglichen Zusammenhang
Weiteres türkisches Kulturzentrum angegriffen
Brandsätze und berstende Scheiben: Bundesweit sind in den vergangenen Tagen Moschen und türkische Einrichtungen angegriffen worden. Die Polizei ermittelt, konkrete Hinweise auf die Täter gab es am Montagnachmittag offenbar noch nicht.

Nach mehreren Anschlägen auf türkische Einrichtungen in den vergangenen Tagen prüfen die Ermittler mögliche Zusammenhänge zwischen den Taten. Zwar gebe es bislang "keine konkreten Täterhinweise" für den Brandanschlag auf eine Moschee des türkisch-islamischen Ditib-Verbandes in Berlin-Reinickendorf, sagte ein Sprecher der Berliner Polizei am Montag. Die Ermittler stünden jedoch im Austausch mit dem Bundeskriminalamt sowie den Landeskriminalämtern der übrigen von den Anschlägen betroffenen Bundesländer

Im schleswig-holsteinischen Itzehoe, wo in der Nacht zum Sonntag die Fenster einer Moschee eingeschlagen wurden und ein türkischer Laden brannte, gehen die Ermittler mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem Zusammenhang aus. Für einen fremdenfeindlichen Hintergrund gebe es jedoch wenig Ansätze, teilte die Polizeidirektion mit.

Am Wochenende und am Montag hatte es bundesweit Anschläge auf Moscheen und türkische Einrichtungen gegeben. Neben den Attacken in Berlin und Itzehoe kam es zu Übergriffen in Nordrhein-Westfalen: So wurde ein Brandsatz an ein Gebäude eines deutsch-türkischen Vereins in Meschede geworfen. Beim jüngsten Anschlag am frühen Montagmorgen schleuderten unbekannte Täter in Ahlen bei Münster mehrere Brandsätze gegen ein türkisches Kulturzentrum.

Nach einem Brandanschlag auf ein Moscheegebäude am Freitag im baden-württembergischen Lauffen dokumentierte die "Heilbronner Stimme" am Montag auf ihrer Internsetseite ein Video, das vier mutmaßlich junge Männer zeigt, die Brandsätze gegen ein Gebäude werfen. Dazu gebe es im Internet bislang unbestätigte Berichte, dass sich "Jugendliche mit Verbindung zur verbotenen (kurdischen) Organisation PKK zur Tat bekannt haben sollen", berichtete die Zeitung. Video und Hinweise sind auch der Polizei bekannt, die wegen des Verdachts des versuchten Mordes und der schweren Brandstiftung ermittelt.

Bei Demonstrationen in zahlreichen deutschen Städten hatten am vergangenen Wochenende viele Menschen gegen die türkische Militäroffensive gegen Kurden in Nordsyrien protestiert. Auch diese Kundgebungen gaben in den sozialen Netzwerken Anlass für Spekulationen, dass kurdische Jugendliche hinter den Anschlägen stecken könnten.

Die Kurdische Gemeinde Deutschlands verurteilte die Anschläge. "Wer auch immer hinter diesen Anschlägen und Gewaltaufforderungen steht, ob PKK-nahe Kreise oder der türkische Geheimdienst MIT, diese Form der menschenverachtenden Gewalt ist mit nichts zu rechtfertigen", sagte der Bundesvorsitzende der Kurdischen Gemeinde Deutschland, Ali Ertan Toprak, am Montag in Gießen. Er appellierte an "alle kurdischstämmigen Menschen", sich in Deutschland von niemandem gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung instrumentalisieren zu lassen.

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