Rund 200 Millionen Mädchen und junge Frauen weltweit von Genitalverstümmelung betroffen

Messer und Klingen, mit denen in Kenia jungen Mädchen die Genitalien beschnitten werden.

Foto: epd-bild/Friedrich Stark

Messer und Klingen, mit denen in Kenia jungen Mädchen die Genitalien beschnitten werden. Der Eingriff ist in rund 30 Ländern verbreitet, vor allem in Afrika, dem Nahen Osten, aber auch in Asien.

Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung und die Europäische Union haben zum verstärkten Kampf gegen weibliche Genitalverstümmelung aufgerufen. Es werde höchste Zeit, diese gravierende Menschenrechtsverletzung zu beenden und Mädchen und Frauen vor unfassbarem Leid zu bewahren, sagte Stiftungs-Geschäftsführerin Renate Bähr am Montag in Hannover.

Die EU-Kommission erklärte in Brüssel, die Verstümmelung habe lebenslange Folgen für die Betroffenen und schade darüber hinaus den Gesellschaften, in denen der Brauch ausgeübt werde.

Anlass der Erklärungen ist der Welttag gegen weibliche Genitalverstümmelung an diesem Dienstag. Rund 200 Millionen Mädchen und junge Frauen sind nach Angaben der Stiftung Weltbevölkerung von der Praxis betroffen. Der Eingriff sei in rund 30 Ländern verbreitet, vor allem in Afrika, dem Nahen Osten, aber auch in Asien. Die Mädchen seien bei dem Übergriff meist nicht einmal 15 Jahre alt.

Bähr nannte es erfreulich, dass die Verbreitung von Genitalverstümmelungen unter 15- bis 19-Jährigen in vielen Ländern zuletzt zurückgegangen sei. Durch das hohe Bevölkerungswachstum in den besonders betroffenen Ländern könnte dieser Fortschritt aber zunichtegemacht werden. Entscheidend sei es, Mädchen und Frauen gleiche Rechte einzuräumen wie Jungen und Männern, sagte die Geschäftsführerin in Hannover.

Laut EU-Kommission haben die Verstümmelungen auch negative Folgen für die Gesellschaften insgesamt. Denn die Folgen der körperlichen Gewalt führten dazu, dass die betroffenen Frauen weniger konstruktiv am öffentlichen Leben teilnehmen könnten als Männer.

Um dem Phänomen zu begegnen, sei Präventionsarbeit an der Basis nötig, erklärte die Brüsseler Behörde. Daher unterstütze die EU sozialen Wandel in den Gemeinschaften vor Ort. Ein Fokus der Engagements sind die Länder Afrikas südlich der Sahara, wo die EU im Rahmen der sogenannten Spotlight-Initiative gemeinsam mit den Vereinten Nationen gegen weibliche Genitalverstümmelung vorgeht. Die Praxis komme aber auch noch in Europa vor.

Bei der Genitalverstümmelung wird die Klitoris teilweise oder vollständig entfernt - meist ohne Narkose und mit einfachen Hilfsmitteln wie Glasscherben oder Rasierklingen. Die betroffenen Frauen und Mädchen leiden häufig lebenslang unter den Folgen - etwa durch Infektionen, Blutungen und Komplikationen bei der Geburt. Viele sterben daran.