Missbrauch: Dimension einer Volkskrankheit

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, hat die künftige Regierung aufgefordert, konsequent in den Kampf gegen Missbrauch zu investieren.

Missbrauch habe "die Dimension einer Volkskrankheit", mit schwersten Folgen auch für die Gesellschaft, erklärte Rörig am Donnerstag in Berlin. Jeden Tag würden 40 Fälle angezeigt, das Dunkelfeld sei viel größer. Zunehmend werde das Internet zum Tatort für sexuelle Gewalt.

Rörig setzte sich erneut für gesetzliche Grundlagen und ausreichende Geldmittel sowie für eine Aufklärungskampagne nach dem Vorbild der Anti-Aids-Kampagnen ein. Kinderrechte ins Grundgesetz zu nehmen, wie es Union und SPD für den Fall einer Koalition vereinbart haben, werde allein den Kinderschutz nicht verbessern.



Vor acht Jahren hatte die Presse erstmals über sexuellen Missbrauch am katholischen Berliner Canisius Kolleg berichtet. Die Politik reagierte 2010 auf den sogenannten Missbrauchsskandal mit der Einrichtung eines Runden Tisches und dem noch immer befristeten Amt des Beauftragten. Vor kurzem war ein Fall schwerster Gewalttaten an einem neunjährigen Jungen bei Freiburg im Breisgau bekanntgeworden.