Auch Demenzkranke freuen sich über Weihnachtsgeschenke

Fotoalbum für Demenzkranke

Foto: Getty Images/iStockphoto/Halfpoint

Für Demenzkranke sind Geschenke ideal, die über die Sinne aufgenommen werden können. Das kann zum Beispiel ein Fotoalbum mit Bildern aus unterschiedlichen Lebensphasen des Beschenkten sein.

Auch Demenzkranke freuen sich über Weihnachtsgeschenke
Was schenkt man Menschen zu Weihnachten, die unter Demenz leiden? Die Heidelberger Gerontologin Marion Bär erklärt es und gibt Tipps, wie man das Richtige für den Beschenkten und die Angehörigen findet.

Auch Menschen mit Demenz freuen sich nach Überzeugung der Heidelberger Gerontologin Marion Bär über Weihnachtsgeschenke. Für sie seien Geschenke ideal, die über die Sinne aufgenommen werden können. "Das kann zum Beispiel ein Fotoalbum mit Bildern aus unterschiedlichen Lebensphasen des Beschenkten sein", sagte die Forscherin an der Universität Heidelberg dem Evangelischen Pressedienst (epd). Gut sei es, das Album öfter gemeinsam anzuschauen. "Dabei kann sich ein Gespräch entwickeln, oder man blättert einfach weiter, wenn der Beschenkte sich nicht erinnert", erklärte Bär.

Grundsätzlich seien auch Geschenke, die an persönliche Interessen des Menschen anknüpften, gut geeignet. "Studien zeigen, dass die Demenz an Vorlieben zunächst gar nichts ändert", erläuterte Bär. Allerdings sollte das Krankheitsstadium berücksichtigt werden. Wer zum Beispiel lebenslanger Fan von Wagner-Opern gewesen sei, könnte in einem späteren Stadium mit den komplexen Stücken überfordert sein. Dann lieber etwas einfachere Musik schenken. Bei Spielen, Kreuzworträtseln und Sudokus rät Bär zu Bedacht. "Zu Beginn ihrer Demenz trainieren manche damit bewusst ihr Gedächtnis, später führen solche Aktivitäten eher zu Frust."

Zu Ausflügen oder Urlaubsreisen als Weihnachtsgeschenk ermutigt die Gerontologin ausdrücklich. "Es gibt bei vielen von Demenz betroffenen Familien die Tendenz sich eher zu früh als zu spät in die eigenen vier Wänden zurückzuziehen, weil sie - leider oft zu Recht - den öffentlichen Raum als stressig empfinden", erklärt Bär. Die Gesellschaft brauche noch eine höhere Sensibilität für die Bedürfnisse Demenzkranker. Es gelte aber auch: "Wieder einmal etwas gemeinsam unternehmen oder Orte zu besuchen, die man schon lange kennt, kann eine wunderbare Erfahrung sein."

Wichtig sei aber, dass die Aktivitäten sowohl für den Menschen mit Demenz als auch für den Angehörigen angenehm sind: "Wenn ich mich mit meiner Mutter auf ein Konzert wage, um dann zwei Stunden lang Ängste auszustehen, dass sie davonlaufen könnte, dann tut das nicht gut." Angehörige hätten genauso ein Recht auf eine schöne Zeit. Oft helfe es, sich Unterstützung mitzunehmen. Wer niemanden im persönlichen Umfeld hat, könne beim örtlichen Pflegestützpunkt nachfragen.

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