Umstrittener Besuch von Ungarns Ministerpräsident in Wittenberg

Umstrittener Besuch von Ungarns Ministerpräsident in Wittenberg
Glaubensfreiheit, Religionstoleranz, Menschenrechte und Nächstenliebe haben in der Lutherdekade eine zentrale Rolle gespielt - ob diese Themen auch während des Besuchs des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán in Wittenberg zur Sprache komme werden, ist dagegen fraglich.

Ein geplanter Besuch des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán in Sachsen-Anhalt sorgt für Wirbel. Er erwarte von Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU), dass er vor dem Besuch und auch im Gespräch mit Orbán die Botschaften der Lutherdekade deutlich mache, sagte der SPD-Europaabgeordnete Arne Lietz am Montag in Wittenberg. Darin hätten Grundfragen wie Glaubensfreiheit, Religionstoleranz, Menschenrechte und Nächstenliebe eine zentrale Rolle gespielt. Orbán sollte Wittenberg nicht verlassen, ohne dass ihm das Thema Religionsfreiheit mit auf den Weg gegeben werde, betonte Lietz.

"Wir haben dieses Reformationsjubiläum nicht national, sondern ganz bewusst europäisch, international und ökumenisch gefeiert", sagte Lietz. Dies müsse die Botschaft sein. Doch der für 6. November in Wittenberg geplante Besuch stößt auch auf Kritik: Die Linkspartei-Vorsitzende Katja Kipping sagte der in Halle erscheinenden "Mitteldeutschen Zeitung": "Der Ministerpräsident will sich privat mit einem Rechtspopulisten treffen, der die Menschenrechte mit Füßen tritt, sich antisemitisch äußert und sich einer EU-weiten solidarischen Lösung der Flüchtlingsaufnahme verweigert."

Die Reformation war für Ungarn von großer Bedeutung: Wittenberg und Ungarn waren im 16. Jahrhundert eng miteinander verbunden. Ministerpräsident Haseloff war in diesem Jahr auch bei Reformationsfeierlichkeiten in Ungarn zu Gast. Beim großen Festakt zum Abschluss der Lutherdekade und des 500. Reformationsjubiläums am Dienstag in Wittenberg wird der ungarische Präsident János Àder ein Grußwort halten.

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