Margaret Atwood erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels

Margaret Atwood erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels

Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Die kanadische Autorin Margaret Atwood. Hier bei einer Lesung in Köln im März 2013.

Die kanadische Schriftstellerin Margaret Atwood gilt als eine der bedeutendsten Erzählerinnen. In ihren Romanen und Essays beschreibt sie gefährliche, gesellschaftliche Entwicklungen. Dafür erhält sie den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Als Kind verbrachte sie mit ihren Eltern viele Monate in einer abgelegenen Hütte in der kanadischen Wildnis Quebecs. Langweilig sei ihr dabei nie gewesen, erzählt die Schriftstellerin Margaret Atwood. Während ihr Vater als Entomologe auf Insektenjagd war, habe sie viel gelesen, geschrieben und gemalt. Schon damals habe sie sich nichts anderes vorstellen können, als Schriftstellerin zu werden. Am 15. Oktober erhält sie den mit 25.000 Euro dotierten Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.  

Die 77-Jährige gilt als eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen der Gegenwart. Ihre mehr als 40 Werke, darunter Romane, Essays, Kurzgeschichten und Lyrik, sind in mehr als 30 Sprachen erschienen. Sie zeichnet die menschliche Gesellschaft oft in düsteren Farben und gilt daher als "Meisterin der Dystopie". Atwood zeige politisches Gespür und eine Hellhörigkeit für gefährliche unterschwellige Entwicklungen und Strömungen in der Gesellschaft, heißt es in der Begründung der Jury.

Eines ihrer bekanntesten Bücher ist der 1985 erschiene Bestseller "Der Report der Magd" (The Handmaid's Tale), den sie 1984 in Westberlin geschrieben hat. Er spielt in der nahen Zukunft, in der eine totalitäre religiöse Männer-Gruppierung die Macht in den USA übernommen hat. In dem Überwachungsstaat werden Frauen unterdrückt und als Gebärmaschinen benutzt. 

"Trump ist eine Witzfigur"

Kurz nach der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten stieg der mehr als 30 Jahre alte Roman erneut in die Bestsellerlisten. Viele Amerikaner befürchten, dass in einem gesellschaftlichen Klima, in dem Hass und Extremismus ansteigen, Freiheitsrechte in Gefahr sind. "Ich hätte nie gedacht, dass es einmal so schlimm kommt", sagt die Autorin. "Trump ist eine Witzfigur, die wir Liberalen viel zu lange nicht ernst genommen haben", sagt Atwood, die auch in den sozialen Netzwerken aktiv ist und auf Twitter mehr als 1,75 Millionen Follower hat.

Das Buch wurde vor kurzem als Internet-TV-Serie verfilmt und ist seit April in den USA zu sehen. Im September wurde die Literaturverfilmung gleich mit fünf Emmys, dem wichtigsten Fernsehpreis, ausgezeichnet. Seit 4. Oktober ist die Serie auch in Deutschland auf Entertain TV zu sehen.

Optimistin trotz Weltuntergangsszenarien

Auch Klimawandel, die Verschmutzung der Weltmeere, Bürgerkriege und die Flüchtlingskrisen bereiten Atwood große Sorgen. Ihre Bücher bezeichnet sie als "spekulative Fiktion". "Ich schreibe Bücher, weil ich denke, es könnte so kommen," erzählt die Autorin, die auch als Anwärterin für den Literaturnobelpreis galt. Sie wehrt sich gegen Kritik, ihr Buch "Report der Magd" sei anti-religiös. Sie wolle lediglich zeigen, dass Religion auch missbraucht werden könne, betont Atwood immer wieder, die sich  als "strikte Agnostikerin" bezeichnet.

Auch ihr neuester Roman "Das Herz kommt zuletzt" beschäftigt sich mit post-demokratischen Strukturen und der menschlichen Sehnsucht nach einer heilen Welt. Trotz aller Weltuntergangsszenarien sei sie eine Optimistin geblieben, sagt Atwood, die mit dem Schriftsteller Graeme Gibson verheiratet ist und eine Tochter hat.  

Zivilgesellschaftliches Engagement

Sie habe ein "untrügliches Gespür für gefährliche Entwicklungen", sagt Regisseur Volker Schlöndorff. Die Schriftstellerin, die durch ihren 1969 erschienenen ersten Roman die "Essbare Frau" international bekannt wurde, sei eine "Stimme der weiblichen Empfindsamkeit, aber auch für die Unerbittlichkeit für ein anderes Amerika".

Gemeinsam mit dem Schriftsteller Salman Rushdie setzt sich Atwood in dem PEN-Projekt "Räume schaffen" für verfolgte Autoren ein. Zudem engagiert sich Atwood seit Jahrzehnten für Umweltschutz und Menschenrechte.

Weiteres Werk erscheint im Jahr 2114

Die Endzeit-Trilogie "Oryx und Crake", "Das Jahr der Flut" und "Die Geschwister von Zeb" zeigt eine postapokalyptische Welt. Die Folgen der weltweiten Finanzkrise analysiert sie in ihrem Essay "Payback. Schulden und die Schattenseiten des Wohlstands" (2008). Außerdem hat die passionierte Vogelschützerin einen dreibändigen Comicroman" Angel Catbird" (Engelskatzenvögel) veröffentlicht.

Ein weiteres Werk dagegen bleibt noch fast 100 Jahre unter Verschluss: Das Manuskript ihres Romans "Scribbler Moon", hat sie dem norwegischen Future Library Project übergeben. Es wird erst im Jahr 2114 veröffentlicht.