Weniger junge Flüchtlinge in Deutschland vermisst

Die gesunkene Zahl der vermissten Flüchtlingskinder in Deutschland ist für das Deutsche Kinderhilfswerk kein Grund zur Entwarnung. Noch immer würden insgesamt rund 6.500 Kinder und Jugendliche gesucht, sagte ein Sprecher am Freitag dem Evangelischen Pressedienst (epd): "Die Zahl der 945 vermissten Flüchtlingskinder bis 13 Jahre ist weiterhin alarmierend hoch." Nach Einschätzung des Bundeskriminalamtes sind die meisten Fälle jedoch harmlos, etwa, weil die Jugendlichen nur auf der Durchreise waren und später andernorts wieder auftauchen.

Nach einem Bericht der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Freitag) sank die Zahl der verschwundenen Kinder und Jugendlichen zum Stichtag 1. Juli im Vergleich zum Vorjahr um rund ein Viertel. Das Blatt beruft sich auf Daten über Vermisste im Informationssystem der Polizei (INPOL).

Das BKA betont im Internet, dass eine belastbare Aussage über die tatsächliche Anzahl vermisster unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge kaum möglich sei. Viele Minderjährige hätten sich 2015 nur vorübergehend in deutschen Städten aufgehalten und die Aufnahmelager verlassen, um zu Verwandten zu reisen, ohne sich abzumelden. Viele tauchten auch mehrfach, etwa mit unterschiedlicher Schreibweise, in der Datei auf.

Der Sprecher des Kinderhilfswerkes erklärte, nach den Vermissten müsse intensiv gesucht werden, denn bei ihnen besteht eine große Gefahr, dass sie Kriminellen in die Hände fallen. Er bekräftigte seine Forderung, für die Suche brauche es eine bessere Zusammenarbeit von Polizei- und Bundesbehörden auf der einen Seite und Suchdiensten wie dem des Deutschen Roten Kreuzes und den Jugendhilfeträgern vor Ort auf der anderen Seite. Auch die grenzüberschreitende Erfassung der Daten junger Flüchtlinge müsse dringend realisiert werden.

Bisher wisse man zu wenig über die Gründe, warum die Kinder vermisst werden und in welchen Lebenssituationen sie sich befinden, sagte der Sprecher. "Nur wenn die Ursachen für das Verschwinden klar sind, kann an der entscheidenden Stelle in Präventionsmaßnahmen investiert werden."