St. Pauli-Kirche bietet G20-Demonstranten Unterschlupf

Polizisten stehen am 02.07.2017 in Hamburg bei der Beschlagnahmung von Schlafzelten in einem Protest-Camp gegen den G20-Gipfel auf der Elbhalbinsel Entenwerder.

Foto: dpa/Bodo Marks

Polizisten stehen am 02.07.2017 in Hamburg bei der Beschlagnahmung von Schlafzelten in einem Protest-Camp gegen den G20-Gipfel auf der Elbhalbinsel Entenwerder.

St. Pauli-Kirche bietet G20-Demonstranten Unterschlupf
Was die Polizei im Elbpark Entenwerder verbietet, ist im Garten einer Hamburger Kirche erlaubt: Auf dem Gelände der St. Pauli-Kirche (Pinnasberg 80) werden zum G20-Gipfel Demonstranten übernachten.

Was die Polizei im Elbpark Entenwerder verbietet, ist im Garten einer Hamburger Kirche erlaubt: Auf dem Gelände der St. Pauli-Kirche (Pinnasberg 80) werden zum G20-Gipfel Demonstranten übernachten. "Wir haben so viele Anfragen bekommen, dass wir inzwischen sagen müssen: 'Wir sind voll'", sagte Pastor Sieghard Wilm dem epd am Dienstag. Den Gästen stünden Toiletten zur Verfügung und eine Küche. Die Abmachungen erfolgten in Absprache mit Nachbarn aus der Hafenstraße, sagte Wilm.

Wilm schätzt, dass 90 Prozent der Bevölkerung im Stadtteil St. Pauli gegen den G20-Gipfel sind. "Wir sind so dicht dran, da können wir uns dem Thema nicht verschließen." Er sieht sich als Vermittler und nicht als Gegner der Stadt. Für die weiteren Verhandlungen um mögliche Übernachtungen in den beiden großen Camps im Elbpark Entenwerder und Vorhornweg (Lurup) bietet er den Anmeldern und der Versammlungsbehörde einen Runden Tisch an.

Der steht ohnehin schon im Kirchgarten bereit: Die Gemeinde lädt von Dienstag (4. Juli) bis Sonnabend (8. Juli) täglich von 18 bis 20 Uhr an eine lange Tafel im Kirchgarten zum nachbarschaftlichen Picknick ein. Täglich soll ein anderer Gast einen Impuls für Gespräche geben. Übergreifendes Thema in der Woche ist Frieden und Gerechtigkeit. Wilms Gedanke hinter der Aktion ist nachhaltig: "Der G20 kommt und geht, wir bleiben in guter Nachbarschaft."

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