Schweigeminute für Opfer des Busunglücks in München

Ein Schild mit der Aufschrift "Notfallseelsorge" ist auf einem Autodach zu sehen.
Foto: dpa/Patrick Pleul
Nach dem schweren Busunglück in Oberfranken waren 15 kirchliche Notfallseelsorgerinnen und -seelsorger im Einsatz.
Schweigeminute für Opfer des Busunglücks in München
Einen Tag nach dem schweren Busunglück in Oberfranken hat das bayerische Kabinett mit einer Schweigeminute der Opfer gedacht. "Wir beten für die Opfer und die vielen Verletzten", sagte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) am Dienstag in München.

Seehofer dankte außerdem den zahlreichen Rettungs- und Einsatzkräften. Diese hätten bei der Bergung und Versorgung der Opfer "so viel geleistet und schwierigste Umstände bewältigt". Die Arbeit der Notfallseelsorger wird auch nach ihrem Einsatz vom Montag andauern. Auch in Sachsen waren Notfallseelsorger im Einsatz, um sich um Angehörige der Opfer zu kümmern.

Notfallseelsorger begleiten Rettungskräfte und Angehörige

Bei dem Unglück am Montagmorgen verbrannten 18 Menschen in einem Reisebus, rund 30 wurden zum Teil schwer verletzt. Die Insassen waren überwiegend Senioren aus Sachsen, die sich auf dem Weg zum Gardasee befanden. Der Bus war zwischen Münchberg und Gefrees auf einen Lkw aufgefahren und stand offenbar sofort in Flammen. Warum sich das Feuer so rasend schnell ausgebreitet hat und so zur Falle für 18 Insassen wurde, ist noch nicht geklärt. Die Überlebenden konnten sich selbst retten. Drei schweben noch in Lebensgefahr.

Wie der Beauftragte der Notfallseelsorge der bayerischen evangelischen Landeskirche, Hanjo von Wietersheim, am Dienstag dem epd sagte, stand der Bus nach kurzer Zeit schon so in Flammen, dass die Feuerwehr niemanden mehr habe retten können. Dieses Gefühl, nicht mehr helfen zu können, müssten die Einsatzkräfte erst einmal verarbeiten. Die Feuerwehr habe nur noch die Toten bergen können. Brandleichen seien ein schrecklicher Anblick. Auch diese Bilder müssten die Einsatzkräfte verarbeiten, sagte von Wietersheim.

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<div class="field-zusatzinfo field-info-zusatzinfo-verwendung-1"><p>Ende der 1990er-Jahre begann in Deutschland die Arbeit der so genannten Notfallseelsorgeteams – Initialzündung war das Zugunglück von Eschede 1998.</p>

<p>Dahinter steht die wissenschaftliche Erkenntnis aus den USA, dass Menschen bei Unglücksfällen nicht nur körperlich von den Rettungskräften versorgt werden müssen, sondern auch seelisch. Das gilt auch für die Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei. Für sie hat sich die so genannte Krisenintervention etabliert. Die Landeskirchen stellen die meisten Teilnehmer in der Psychosozialen Notfallversorgung. Im Landkreis Nienburg beteiligt sich überdies das Rote Kreuz.</p>

<p>Im Kirchenkreis Syke-Hoya erfolgt die Alarmierung der Teams sozusagen auf zwei Wegen, weil sich dieser über die beiden Landkreise und damit zwei zuständige Leitstellen erstreckt. Für den Landkreis Diepholz gibt es eine Handynummer, über die die Diensthabenden per Rufumleitung erreichbar sind.</p>

<p>Im LK Nienburg funktioniert die Alarmierung völlig anders:</p>

<p>Aller ehren- und hauptamtlichen Teile der PSNV-Teams werden über eine APP alarmiert und können zurückmelden, ob sie momentan in der Lage sind diesen Einsatz zu übernehmen. Die diensthabende zuständige Stelle koordiniert dann den Einsatz und wählt je nach Entfernung und Einsatzbedarf aus, wer zum Einsatzort aufbricht.</p>

<p>Wer sich für eine ehrenamtliche Mitarbeit in der Notfallseelsorge interessiert, kann sich an das Zentrum für Seelsorge und Beratung (ZfSB) wenden. Die Internet-Adresse lautet www.zentrum-seelsorge.de.</p>

</div>

Insgesamt waren bei dem Einsatz laut von Wietersheim 15 kirchliche Notfallseelsorgerinnen und -seelsorger vor Ort. Dazu kamen Krankenhausseelsorger und acht weitere Einsatzkräfte der psychosozialen Notfallversorgung. Auch die Angehörigen werden in nächster Zeit betreut: Denn viele stellten sich vor, wie die Reisegruppe in dem Bus erstickte oder bei lebendigem Leib verbrannte. Die Notfallseelsorge helfe den Menschen, mit diesen Bildern im Kopf oder der Frage nach dem "Warum" klarzukommen, sagte von Wietersheim.

In Sachsen hätten etwa 30 ehrenamtliche Mitarbeiter der Notfallseelsorge den Angehörigen Todesnachrichten überbracht, sagte Polizeiseelsorger Christian Mendt dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Leipzig. Mendt stammten alle Opfer aus dem Freistaat. In 15 Fällen hätten die Seelsorger Angehörige angetroffen.

Mendt, der auch Koordinator für Notfallseelsorge bei der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens ist, sagte, der Einsatz der Notfallseelsorger beschränke sich auf die "Akutsituation". Auf Wunsch würden Angehörige auch weiter betreut. "Einige wollen das aber gar nicht" und wendeten sich an Freunde oder Bekannte, sagte Mendt.