Kirche setzt Segel zu 500 Jahren Reformation

Der Dreimast-Segler "Artemis" auf dem Meer.

Foto: epd-bild/Christian Roedel

Ein Eigner aus Harlingen (Niederlande) hat der Nordkirche seine 1926 erbaute "Artemis", hier im Stralsunder Hafen,zur Verfügung gestellt.

Kirche setzt Segel zu 500 Jahren Reformation
Ein Dreimast-Segler wird einen Monat lang zahlreiche Häfen an der Ost- und Nordseeküste anlaufen. Anlässlich des Reformationsjubiläums werden alle 13 Kirchenkreise der evangelischen Nordkirche auf dem Wasserweg besucht.

13 Häfen, 13 Feste: Die Nordkirche feiert das 500. Reformationsjubiläum mit einer großen Schiffstour und Reformationsfesten in ihren 13 Kirchenkreisen. "Wir stechen am 29. Juni in Stralsund in See und beenden unsere Tour am 29. Juni in Hamburg", sagt Initiator Peter Schulze. In den zur Ferienzeit belebten Hafenorten wird zu Gottesdiensten, Musik, Kinderprogrammen und Talkrunden eingeladen.

Wie auf jeder Schiffsreise soll es auch bei der Tour des Nordkirchen-Schiffes um eine Positionsbestimmung gehen. "Welche Bedeutung haben unsere reformatorischen Wurzeln für unser Zusammenleben?" sei die leitende Frage gewesen, erläutert Peter Schulze. "Menschen mitnehmen, sie einbeziehen, teilhaben lassen an kirchlichem Leben - das ist zutiefst reformatorisch."

Wenn am Donnerstag nächster Woche die "Artemis" in See sticht, liegen dreieinhalb Jahre Planung hinter Peter Schulze und seiner Mitstreiterin Antje Dorn. "Wir haben lange überlegt, wie wir als Nordkirche das 500. Reformationsjubiläum feiern können", erinnert sich Peter Schulze. "Es gibt ja in unserem Bereich kaum historische Orte, die unmittelbar für die Reformation bedeutend sind - Martin Luther war ja nie hier."

Doch schnell war klar: Wasser ist das verbindende Element aller 13 Kirchenkreise in der noch jungen Nordkirche. "Alle Kirchenkreise liegen am Wasser, das ist mit Blick auf die anderen 20 Landeskirchen in Deutschland ein Alleinstellungsmerkmal", verdeutlicht Antje Dorn. Die Kirchenkreise waren schnell zu begeistern. Stralsund, Wismar, Lübeck, Kiel, Husum und Hamburg, Neustadt, Laboe, Eckernförde, Flensburg, Helgoland, Büsum und Glückstadt - überall wird der Segler bis Ende Juli Station machen. Ein Stopp in Sonderborg in Dänemark bei den Nordschleswigschen Gemeinden ist ebenfalls geplant.

Der Traditionssegler bietet bis zu 90 Tagesbesuchern und 30 Übernachtungsgästen Platz. "Über 1.500 Menschen werden in den vier Wochen als Tagesgäste mitsegeln", blickt Antje Dorn voraus. Die hauptamtliche Schiffscrew wird dabei unterstützt durch freiwillige Helfer. Nach dem bewährten Prinzip "Hand gegen Koje" wird vom Pfadfinder bis zum Ruheständler eine bunte Mischung von Menschen einen Monat lang mithelfen.

Dabei war die Suche nach einem passenden Schiff nicht ganz einfach. Es gebe zwar in den Niederlanden einen großen Markt für Traditionsschiffe. "Aber nach festem Fahrplan zu fahren, da lassen sich nur wenige drauf ein", haben die beiden Organisatoren erfahren müssen. Ein Eigner in Harlingen sei jedoch rasch angetan gewesen von dem Projekt und habe seine 1926 erbaute "Artemis" zur Verfügung gestellt.

59 Meter ist sie lang und sieben Meter breit. Mit ihrer Segelfläche von 1.050 Quadratmetern kann sie unter Segeln bis zehn Knoten (18 km/h) Fahrt machen, unter Motor bis acht Knoten (15 km/h). Insgesamt rund 350.000 Euro zahlen Nordkirche und Kirchenkreise für die Segeltour inklusive der Bühnentechnik, die den Mitwirkenden in den Häfen für ihr jeweiliges individuelles Programm zur Verfügung gestellt wird. Zum Ende der Tour wird das Schiff am 29. Juli in der Hamburger Hafen-City anlegen. Auf den Magellan-Terrassen soll ein großes Reformationsfest mit viel Musik gefeiert werden.