Kirchentag 2017: "Mit weitem Blick und offenem Herzen"

Eröffnungsgottesdienst

Foto: epd/Thomas Lohnes

Mit drei Open-Air-Gottesdiensten, wie hier auf dem Platz der Republik, ist in Berlin der 36. Deutsche Evangelische Kirchentag eröffnet worden.

Kirchentag 2017: "Mit weitem Blick und offenem Herzen"
Beim Eröffnungsgottesdienst des Deutschen Evangelischen Kirchentags im Jahr des 500. Reformationsjubiläums wünscht sich der gastgebende Bischof Markus Dröge einen Kirchentag "mit weitem Blick und offenem Herzen".

Zehntausende Christen haben am Mittwochabend im Herzen von Berlin den Auftakt des evangelischen Kirchentags gefeiert. Nach Veranstalterangaben strömten rund 200.000 Menschen zum traditionellen "Abend der Begegnung" mit Open-Air-Konzerten rund ums Brandenburger Tor. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die an diesem Donnerstag mit dem früheren US-Präsidenten Barack Obama diskutieren wird, ermunterte die Kirchen, sich weiter in politische Debatten einzumischen. Die Großveranstaltung im Jahr des 500. Reformationsjubiläums steht auch unter dem Eindruck des jüngsten Terroranschlags in Manchester und findet unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen statt.

Insgesamt 70.000 Menschen nahmen nach Angaben der Veranstalter an den drei Eröffnungsgottesdiensten teil, bei denen in den Fürbitten der Opfer von Manchester gedacht wurde. Die mehr als 106.000 Dauerteilnehmer und geschätzten 38.000 Tagesgäste müssen erstmals bei einem Kirchentag mit Taschenkontrollen rechnen. Veranstalter und Sicherheitsbehörden betonten, nach dem Anschlag sei das Sicherheitskonzept noch einmal überprüft worden.

Der Berliner Bischof Markus Dröge rief im Eröffnungsgottesdienst dazu auf, anderen Menschen vorurteilsfrei und mit unverstelltem Blick zu begegnen. Der 36. Deutsche Evangelische Kirchentag öffne und weite den Blick - "für die Zeit, in der wir leben, und die Menschen, mit denen wir leben". Die Gläubigen sollten die Großveranstaltung "mutig und vertrauensvoll, mit weitem Blick und offenem Herzen" angehen.

Der historische Kirchentag, der ein Höhepunkt im Festjahr zu 500 Jahren Reformation ist, endet am Sonntag mit einem Abschlussgottesdienst in Wittenberg. 1517 hatte Martin Luther (1483-1546) dort seine 95 Thesen gegen die Missstände der Kirche seiner Zeit veröffentlicht, was als Ausgangspunkt der weltweiten Reformation gilt.

Bundeskanzlerin Merkel sagte bei einem Empfang anlässlich des Kirchentags, das Evangelium sei zwar kein Regierungsprogramm. Dennoch sei es besser, die Kirchen mischten sich ein, als dass sie sich zurückhielten. Dabei dürfe nur die christliche Botschaft nicht zu kurz kommen. Vor allem CSU-Politiker hatten in der jüngeren Vergangenheit den Kirchen vorgeworfen, sich zu sehr in politische Debatten einzumischen.

Im Eröffnungsgottesdienst am Brandenburger Tor kritisierte Bischof Fredrick Onael Shoo aus Tansania den westlichen Lebensstil. "Teilt euren Reichtum!", forderte er. Den Westen rief er dazu auf, Afrika faire Wirtschaftsbeziehungen anzubieten und sich mehr um Flüchtlinge zu kümmern. Shoo forderte zudem mehr Anstrengungen im Kampf gegen den Klimawandel.

Auf dem Programm des Christentreffens unter der biblischen Losung "Du siehst mich" stehen knapp 2.500 Veranstaltungen. Viel diskutiert wurde die Einladung an die AfD-Vertreterin Anette Schultner. Bischof Dröge, der mit der Politikerin von der Vereinigung "Christen in der AfD" auf dem Podium sitzen wird, verteidigte die Veranstaltung mit Hinweis darauf, dass der Kirchentag ein "Brückenschlag in die Gesellschaft" sei. Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au nannte die Folgen weltweiter Konflikte und die Zukunft Europas als Kernthemen. So klar wie lange nicht mehr stehe aktuell vor Augen, wofür Christen einstehen müssten, sagte die Schweizer Theologin.