Weltausstellung Reformation mit den "Toren der Freiheit" eröffnet

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Foto: epd/Jens Schlueter

Weltausstellung Reformation mit den "Toren der Freiheit" eröffnet
Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm forderte alle Menschen "mit Begeisterung, Orientierung an Jesus Christus, Weltoffenheit und einladenden Armen" dazu auf, im Reformationssommer nach Wittenberg zu kommen und durch die sieben "Tore der Freiheit" zu gehen.

Spitzenvertreter von Kirche und Politik in Deutschland haben zur Eröffnung der Weltausstellung Reformation in Wittenberg die weitreichenden Folgen der Kirchenerneuerungsbewegung bis in die Gegenwart unterstrichen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte zur Eröffnung der "Tore der Freiheit" am Samstag in Wittenberg, die Reformation habe die Geschichte, Kultur und Lebensweise über Jahrhunderte direkt oder indirekt beeinflusst und tue es bis heute. Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm forderte alle Menschen "mit Begeisterung, Orientierung an Jesus Christus, Weltoffenheit und einladenden Armen" dazu auf, im Reformationssommer nach Wittenberg zu kommen und durch die sieben "Tore der Freiheit" zu gehen.

"Es wird eine internationale, ökumenische Weltausstellung und ein Aufbruchssignal für Kirche und Gesellschaft", zeigte sich die Botschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für das 500. Reformationsjubiläum, Margot Käßmann, überzeugt. In den Torräumen um die Wittenberger Altstadt zeigen in den kommenden 16 Wochen rund 80 Aussteller ihre Sicht auf Geschichte und Zukunft der Reformation. 



Bundespräsident Steinmeier betonte, die Reformation sei kein abgeschlossener Prozess, "sondern zieht Spuren auch in unsere heutige Gesellschaft hinein, in unser Zusammenleben und unser Verständnis einer gerechten und menschenwürdigen Gesellschaft." Es zähle etwa zu den historischen Lehren der Reformation und ihrer Folgen, "dass nur die Akzeptanz des Andersgläubigen aus dem Krieg der Konfessionen herausführt und dass der Mensch die Intoleranz und die Gewalt, die im Namen der Religion verübt wird, überwinden kann". 

Ökumenischer Auftaktgottesdienst

Reformation heiße auch, Verantwortung zu übernehmen und Zukunft zu gestalten, betonte der Bundespräsident. Die "Tore der Freiheit" um die Wittenberger Altstadt öffneten den Blick dafür. Nicht nur in Europa, auch anderswo auf der Welt sei der Gefahr von Nationalismen und Abgrenzung zu begegnen. Steinmeier sprach von einer Tendenz, Tore zu schließen, anstatt Tore der Freiheit zu öffnen: "Dem entgegen können wir die Erinnerung an einen hoffnungsvollen und mutigen Aufbruch zur Emanzipation des Menschen stellen, der mit der Reformation verbunden bleibt." 

An einem ökumenischen Auftaktgottesdienst auf dem Wittenberger Marktplatz nahmen am frühen Nachmittag neben Steinmeier und Bedford-Strohm auch der katholische Bischof Gerhard Feige aus Magdeburg und der griechisch-orthodoxe Metropolit Augoustinos teil.

Bereits am Morgen war der Truck des Europäischen Stationenwegs am Wittenberger Hauptbahnhof begrüßt worden. Ilse Junkermann, die Landesbischöfin der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands, hielt eine Andacht unter freiem Himmel. Nach Angaben des Veranstalters waren dazu 250 Menschen gekommen.

Abendsegen als Abschluss des Tages

Zur Eröffnung ihrer Präsenzen bei der Weltausstellung luden am Nachmittag zahlreiche Aussteller in die Wallanlagen um die Altstadt. Ab 17.30 Uhr sollte zur Feier des Tages auf der Bühne am Marktplatz ein Konzert mit der Schweizer Sängerin und Echo-Preisträgerin Stefanie Heinzmann stattfinden. Den Abschluss des Tages sollte ein Abendsegen um 22.00 Uhr auf dem Marktplatz mit dem Pastor und Liedermacher Fritz Baltruweit bilden.

Die Weltausstellung Reformation läuft bis 10. September. Die evangelische Kirche feiert bis Oktober dieses Jahres 500 Jahre Reformation. 1517 hatte Martin Luther (1483-1546) seine 95 Thesen gegen die Missstände der Kirche seiner Zeit veröffentlicht, die er der Überlieferung nach am 31. Oktober an die Tür der Wittenberger Schlosskirche nagelte. Der Thesenanschlag gilt als Ausgangspunkt der weltweiten Reformation, die die Spaltung in evangelische und katholische Kirche zur Folge hatte.