Kritik an Ökumene-Papier wegen Sicht auf Tiere

Kritik an Ökumene-Papier wegen Sicht auf Tiere
Aussagen zum Verhältnis von Mensch und Tier im jüngsten Ökumene-Papier von Lutheranern und Katholiken sind auf Kritik gestoßen. Der Text falle weit hinter den Stand der naturwissenschaftlichen Forschung zurück, sagte Rainer Hagencord vom Institut für Theologische Zoologie (Münster) dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Die Aussage, die Würde gelte nur für den Menschen, sei "künstlich, letztlich nicht mehr zu begründen, ja im Grunde skandalös". Papst Franziskus dagegen habe in seiner Umwelt-Enzyklika von 2015 den Selbstzweck aller Geschöpfe unterstrichen. Er mache deutlich, dass die anderen Geschöpfe "nicht für unsere Zwecke da sind", so Hagencord. Dies sei ein Paradigmenwechsel.

In der Mitte Februar erschienenen Studie "Gott und die Würde des Menschen" der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) und der katholischen Deutschen Bischofskonferenz heißt es unter anderem: "Den Ausdruck 'Würde' beziehen wir auf Menschen und unterscheiden sie so von Sachwerten und Schutzrechten von Tieren."

Vor allem nach der Umwelt-Enzyklika von Papst Franziskus mit dem Titel "Laudato si - Über die Sorge für das gemeinsame Haus" dürfe man so nicht mehr formulieren, sagte der katholische Theologe und Zoologe Hagencord: "Wir sind heute an einer Stelle, wo wir sagen müssen, dass es keinen Graben gibt zwischen Mensch und Tier. Wir sind auf das Engste verwandt, nicht nur mit den Menschenaffen, sondern darüber hinaus auch mit den anderen Tieren." In franziskanischer Theologie heiße das "Geschwisterlichkeit alles Lebendigen".

Die Papst-Enzyklika knüpfe auch an die programmatische Rede von Papst Benedikt im Bundestag im September 2011 an, in der er sich für die Würde der Erde stark gemacht hat. Der Würdebegriff würde leer, wenn er sich nicht auf alle Erdenbewohner bezieht, sagte Hagencord. Dies alles falle aus dem jüngsten deutschen Ökumene-Text heraus.

 

Auch ein weiteres Zitat mit Blick auf Tiere ist laut Hagencord "bodenlos". Dort heißt es: "Dass der Mensch Gottes 'Bild' ist, begründet seinen Auftrag, in der geschaffenen Welt zu herrschen, auch über die Tiere." Hagencord hält dagegen, man könne den Menschen heute nicht mehr als "Krone der Schöpfung" beschreiben.

Zwar wird in dem Text von VELKD und Bischofskonferenz betont, dies sei "keine Legitimation zur Tierquälerei". Aber damit, so die Autoren des Ökumene-Textes, werde laut biblischen Aussagen zugleich "die Erlaubnis vorbereitet, Tiere ebenso wie Pflanzen zur Nahrung zu gebrauchen". Hagencord erklärte dazu, die Ökumene-Studie übersehe hier, dass zentrale Texte im Alten Testament vom "Bund, den Gott auch mit den Tieren schließt" erzählten. Dies werde in dem Text von römisch-katholischer Kirche und den Lutheranern "schlicht nicht wahrgenommen".

Hagencord leitet das 2009 gegründete Institut für Theologische Zoologie gemeinsam mit dem Theologen Anton Rotzetter. Schirmherrin ist die international renommierte britische Verhaltensforscherin Jane Goodall. Vorsitzende des Kuratoriums des Instituts ist Altbischöfin Bärbel Wartenberg-Potter.

Die Studie "Gott und die Würde des Menschen" erscheint am 6. März im Bonifatius Verlag Paderborn und der Evangelischen Verlagsanstalt, Leipzig, sie ist als pdf-Datei auf der Internetseite des Bonifatius Verlags verfügbar.

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