Volker Leppin: "Die EKD hat eine Punktlandung geschafft"

Volker Leppin lobt ökumenische Ausrichtung des Reformationsjubiläums
Volker Leppin

Foto: epd-bild/Daniel Peter

Volker Leppin

Der Protestantismus sollte sich nicht nur durch Abgrenzung definieren, findet der Tübinger Kirchenhistoriker und Luther-Experte Volker Leppin. Er lobt die ökumenische Ausrichtung und die theologischen Schwerpunkte des Reformationsjubiläums. Im Gespräch mit der katholischen Kirche dürften allerdings evangelisches Amt und Frauenordination nicht infrage gestellt werden.

Herr Professor Leppin, 500 Jahre nach Beginn der Reformation wird so ökumenisch gefeiert wie nie zuvor. Wäre es nicht besser, das große Jubiläum zur Rückbesinnung auf das zu nutzen, was Evangelischsein heißt?

Volker Leppin: Das sind keine einander ausschließenden Alternativen. Meiner Ansicht nach kann man heute nur noch evangelisch in einem ökumenischen Horizont sein. Man muss dabei nicht alle Besonderheiten des Evangelischen aufgeben, das tut auch niemand. Denken Sie an die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre, die 1999 von Lutherischem Weltbund und Vatikan vereinbart wurde - da hat man sehr genau beschrieben, wo die Gemeinsamkeiten und wo die Unterschiede liegen, die aber nicht zwingend kirchentrennend sind. Es ist ein Riesenerfolg, dass man 2017 evangelisch und zugleich ökumenisch sein kann.

Und dennoch befürchten manche, dass mit Rücksicht auf die Ökumene ausgerechnet im Jubiläumsjahr protestantisches Profil abgeschliffen wird.

Leppin: Zu Unrecht. Die EKD hat in ihrem Text "Rechtfertigung und Freiheit" noch einmal sehr deutlich gesagt, was evangelisch ist. Und gleichzeitig werden die Gemeinsamkeiten mit anderen Kirchen sichtbar. Es ist doch ein reduziertes Verständnis zu sagen, das eigene Evangelische ist nur dasjenige, womit ich mich von anderen abgrenzen kann. Das eigene Evangelische ist doch auch, wozu ich andere einladen kann. Das wird 2017 in den Mittelpunkt gestellt.

"Inhalte der Theologie stehen immer mehr im Mittelpunkt der Vorbereitung"

Die Ökumene wirkt sehr oberflächlich. Bei den echten theologischen Zerwürfnissen - etwa zum Abendmahl oder im Amtsverständnis - gibt es auch weiterhin keine nennenswerten Fortschritte.

Leppin: Wir stehen tatsächlich weiterhin an dem Punkt, an dem die Amtsfrage und damit auch die Abendmahlsfrage unüberwindlich scheinen. Die Hindernisse liegen sicher stärker auf Seiten der römisch-katholischen Kirche. Daran müssen wir weiter gemeinsam arbeiten. Von evangelischer Seite muss dabei ganz klar sein: Ihr kirchliches Amt darf für keinen Zeitpunkt in der Geschichte im Nachhinein als illegitim betrachtet werden. Und zum Amt gehört aus evangelischer Sicht selbstverständlich auch die Frauenordination. Das sind Essentials, die wir in das Gespräch mit der katholischen Kirche einbringen sollen und müssen.

Sind Sie zufrieden, wie in der EKD das Jubiläum geplant und gefeiert wird?

Leppin: Die EKD hat einen großen Lernprozess hinter sich gebracht, und meine Zufriedenheit ist dabei gewachsen. Eine Zeit lang hat man von kirchlicher Seite sehr danach geschaut, wie man sich innerhalb der medialen Landschaft platzieren kann. Inzwischen ist man immer mehr auf die Inhalte gekommen. "Rechtfertigung und Freiheit" war ein Markstein, dazu die ökumenischen Aussagen mit der katholischen Kirche. Inhalte der Theologie stehen immer mehr im Mittelpunkt der Vorbereitung. Ich würde sagen: Die EKD hat für 2017 eine Punktlandung geschafft.

Hätten Sie auch etwas Kritisches anzumerken?

Leppin: Mir geht es wie vielen, ich halte Marketingprodukte wie "Luther-Socken" nicht für den allerhöchsten Beitrag zum Reformationsjubiläum. Auch der Luther-Garten in Wittenberg ist sicher kein Muss. Andererseits werden natürlich unterschiedliche Milieus angesprochen. Als Reformationshistoriker und Theologe würde ich zu manchen Marketing-Gags sagen: Das muss nicht sein. Aber ich hielte es für fatal, einen Kleinkrieg darüber zu führen, was geht und was nicht geht. Es hat immerhin alles noch mit der Reformation zu tun.

In diesem Jahr ist der Reformationstag (31. Oktober) bundesweit ein gesetzlicher Feiertag. Sollte er das auch in künftigen Jahren wieder sein?

Leppin: Für das evangelische und ökumenische Bewusstsein hängt nicht viel an der Frage, ob das nun ein bundesweiter staatlicher Feiertag ist. Wichtig ist es, dass wir Jahr für Jahr an diesem Tag Gottesdienste feiern - mit unterschiedlichen Ausrichtungen, also einmal konzentriert intern evangelisch, das andere Mal mehr ökumenisch geöffnet. Aber das ist eine Frage der kirchlichen Gestaltung, nicht der staatlichen.

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