"Ärzte ohne Grenzen": Flüchtlinge in Griechenland im Schneechaos

Syrische Flüchtlingskinder schauen bei eisigen Temperaturen aus dem Fenster ihrer Unterkunft.

Foto: dpa/Muhammed Muheisen

Kinder im Flüchtlingslager Ritsona, 86 Kilometer nördlich von Athen (Griechenland).

"Ärzte ohne Grenzen": Flüchtlinge in Griechenland im Schneechaos
Nach dem Wintereinbruch in Griechenland hat sich die Lage Tausender Flüchtlinge nach Angaben von "Ärzte ohne Grenzen" weiter verschlimmert. Im überfüllten Flüchtlingslager Moria auf der Insel Lesbos seien bei Schnee und Regen viele Zelte eingebrochen, sagte der Geschäftsführer der deutschen Sektion von des Hilfswerks, Florian Westphal, am Donnerstag im WDR-Radio. Viele Menschen seien nun nahezu ungeschützt der Witterung ausgesetzt.

"Die Leute leben weitestgehend im Matsch und sind ständig nass", erklärte er. Vor allem für Schwangere, Kinder und chronisch Kranke sei die Lage dramatisch. Die griechischen Behörden, aber auch die Europäische Union hätten es versäumt, die Flüchtlingslager rechtzeitig auf den Winter vorzubereiten, kritisierte Westphal.

Die Situation sei "in diesem reichen, wohlhabenden Europa völlig inakzeptabel und unverständlich". Die notleidenden Menschen müssten nun dringend in geheizten und trockenen Unterkünften untergebracht werden. "Das ist natürlich in erster Linie Verpflichtung der griechischen Behörden, aber auch der EU und ihrer Mitgliedsstaaten", betonte der Geschäftsführer. "Damit kann man Griechenland nicht einfach alleine lassen."

Nach Angaben des Bundesinnenministeriums hat die griechische Regierung Hilfsangebote aus Deutschland wiederholt abgelehnt. Zuletzt habe Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) im Dezember seinem griechischen Kollegen technische Unterstützung bei der Unterbringung der Flüchtlinge in Griechenland angeboten, sagte ein Sprecher. Eine Anfrage aus Athen sei seither nicht erfolgt.