Kirche in Hessen-Nassau feiert Reformationsjubiläum "vielfältig und fantasievoll"

Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) begeht das Reformationsjubiläum 2017 mit Hunderten von Veranstaltungen.

Dazu gehörten festliche Gottesdienste und Musikaufführungen ebenso wie Stadtfeste, Ausstellungen und neue Buchprojekte, sagte Pressesprecher Volker Rahn am Montag in Frankfurt am Main. Daneben werde die mobile "LichtKirche" der EKHN von Mai bis September in Wittenberg auf der Weltausstellung der Reformation aufgebaut. Auch mache ein "Reformations-Truck" auf seiner europaweiten Tournee im Kirchengebiet Station. Im Mai werde der Lutherweg von Eisenach nach Worms eröffnet. Schließlich wollten die Mainzer Protestanten am Rosenmontagszug 2017 mit einem eigenen Motivwagen teilnehmen.

Das Jubiläumsprogramm wurde in der Frankfurter Bethmann-Bank vorgestellt. In einem Vorgängerbau, dem Gasthof "Zum Strauß", hatte der Reformator auf seinem Weg zum Reichstag nach Worms zweimal übernachtet. Der hessen-nassauische Kirchenpräsident erinnerte bei der Präsentation des Programms daran, dass Martin Luther mit seinen Fragen nach Gott die Welt verändert habe. Durch intensives Bibelstudium habe er entdeckt, dass Gott kein strafender, sondern ein liebender Schöpfer aller Dinge sei und dass es im Glauben darum gehe, "sich Gottes Gnade und Liebe anzuvertrauen und aus diesem Vertrauen heraus das Leben zu gestalten".

Tafel von der Paulskirche über den Main bis zur Dreikönigskirche

Deshalb stelle die EKHN auch alle Veranstaltungen im Jubiläumsjahr unter das Motto "Gott neu entdecken", sagte Jung. Aus der "Neuentdeckung des Evangeliums" heraus habe Luther dann mit vielen anderen zusammen die Kirche neu gestaltet und wichtige Impulse für die Gesellschaft gegeben. Als Beispiel nannte der Kirchenpräsident etwa die Forderung nach guter Bildung für alle. Es sei im bevorstehenden Jubiläumsjahr wichtig, "nicht in einer Art protestantischer Heldenverehrung" zu erstarren zu, sondern weltweit und zusammen mit den katholischen Mitchristen zu feiern. Er sei deswegen sehr froh über eine ökumenische Feier am 25. August 2017 im Frankfurter Kaiserdom, den die EKHN gemeinsam mit den Bistümern Mainz und Limburg sowie der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen vorbereite.

Jung präsentierte auch eine Impulsschrift mit zwölf neuen Thesen zur Zukunft des evangelischen Glaubens. Die Broschüre mit dem Titel "Gott neu entdecken" folgt den Buchstaben des Wortes R-e-f-o-r-m-a-t-i-o-n und erklärt zentrale evangelische Themen von R wie Reformation bis N wie Nächstenliebe. Sie steht ab sofort zum Download zur Verfügung unter www.gott-neu-entdecken.de. Alle 1.151 hessen-nassauischen Kirchengemeinden bekommen das Heft in einem "Starter-Paket zum Reformationsjahr" im November auch per Post. Die Impulsschrift ist zudem im Buchhandel erhältlich.

Die evangelische Kirche gehe vielfältig, fantasievoll und vital in ihr 500. Jahr, sagte Pfarrer Jeffrey Myers vom Projektbüro Reformationsdekade der EKHN. Insgesamt hätten bisher 367 Gemeinden, Dekanate oder Einrichtungen für ihre Projekte rund 1,4 Millionen Euro beantragt. Sie feierten am 31. Oktober 2017, dem Tag, an dem Martin Luther seine 95 kirchenkritischen Thesen veröffentlichte, in eigener Regie mit Gottesdiensten und bunten Festen. Bereits am 29. Oktober zelebrierten die beiden hessischen Landeskirchen in Marburg einen gemeinsamen Gottesdienst, und am 30. Oktober sei in der Wiesbadener Lutherkirche ein musikalischer Festgottesdienst geplant.



Im Mittelpunkt der Feierlichkeiten in Frankfurt stehe am Pfingstmontag 2017 der Römerberg. Dort werde nicht nur unter freiem Himmel gefeiert, sondern auch gemeinsam gegessen, sagte Stadtkirchenpfarrer Olaf Lewerenz. Eine Tafel werde von der Paulskirche über den Eisernen Steg bis zur Dreikönigskirche ans andere Ufer des Mains in Sachsenhausen reichen. Am 31. Oktober 2017 richte die Stadt nach dem Festgottesdienst in St. Katharinen in der Paulskirche einen Festakt aus. Einen besonderen musikalischen Leckerbissen biete der Kantor an St. Katharinen, Martin Lücker, ergänzte Lewerenz: Von November bis Juli spiele er das gesamte Orgelwerk von Johann Sebastian Bach.

Unter dem Motto "Segen erleben. Moments of Blessing" würden in der "LichtKirche" in Wittenberg Gebet und Gottesdienst, Musik und Tanz sowie kulturelle Veranstaltungen geboten, sagte Pfarrer Wolfgang H. Weinrich. Begleitet werde das transportable Gotteshaus von einem eigens entworfenen Segens-Roboter. In den rund 120 Tagen in Wittenberg könnten sich die Menschen für Taufen und Trauungen vor Ort zu bewerben. Außerdem könnten sie dort in die evangelische Kirche eintreten oder wieder eintreten, sagte Weinrich.

Die EKHN hat zum Reformationsjubiläum auch zwei Buchprojekte unterstützt. Eine sogenannte Graphic Novel mit Zeichnungen der italienischen Künstler Andrea Grosso Ciponte und Dacia Palmerino sowie das Büchlein "Wo Glaube ist, da ist auch Lachen" mit Beiträgen von Kirchen-Kabarettisten wie Hans-Joachim Greifenstein oder Lutz von Rosenberg Lipinsky.