Sudan dementiert Bericht über Einsatz chemischer Waffen

Sudan dementiert Bericht über Einsatz chemischer Waffen
Amnesty International wirft dem Sudan den Einsatz von Chemiewaffen in der Konfliktregion Darfur vor. Die Regierung weist dies zurück. Die für chemische Waffen zuständige Organisation will den Vorwürfen nachgehen.

Der Sudan hat Berichte zum Einsatz von Chemiewaffen in der Konfliktregion Darfur zurückgewiesen. "Diese Vorwürfe sind nicht wahr", sagte der Pressebeauftragte der sudanesischen Botschaft in Berlin, Ali Abayazeed, am Donnerstag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die UN-Vertretung des Sudan erklärte, der Sudan besitze keine chemischen Waffen. Die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) kündigte an, den Vorwürfen nachzugehen.

"Die sudanesische Armee, weiß, wie man kämpft, sie braucht keine chemischen Waffen", sagte Abayazeed dem epd. Mit dem Bericht von Amnesty International solle lediglich die sudanesische Regierung diskreditiert werden.

Amnesty zufolge deuten Fotos und Zeugenaussagen darauf hin, dass die Armee in der westsudanesischen Region Darfur für mindestens 30 Luftangriffe mit chemischen Waffen verantwortlich ist. Rund 200 Menschen, die meisten davon Kleinkinder, seien dabei getötet worden. "Das Ausmaß und die Brutalität der Angriffe ist schwer in Worte zu fassen", sagte Tirana Hassan von Amnesty International zur Veröffentlichung des Berichts in New York.

Sondergesandte sollen ungehinderten Zugang haben

Die ständige Vertretung des Sudan bei den Vereinten Nationen betonte, der Sudan sei Mitglied der internationalen Konvention zum Verbot von chemischen Waffen. Zudem hätten Beobachter der gemeinsamen Mission der UN und der Afrikanischen Union (Unamid) in diesem Jahr bereits fünf Berichte zu Darfur beim Weltsicherheitsrat vorgelegt, und in keinem habe etwas von chemischen Waffen gestanden, hieß es in der Erklärung, die dem epd vorliegt. Auch Sondergesandte "aus fast allen Ecken der Welt" hätten ungehinderten Zugang zu allen Gebieten der Region.

In Darfur herrscht seit 2003 ein Bürgerkrieg, in dem Armee und verbündete arabische Milizen gegen lokale Rebellengruppen kämpfen. Mehr als 200.000 Menschen wurden Schätzungen zufolge seit Ausbruch des Konflikts getötet, etwa zwei Millionen vertrieben. Mehrere sudanesische Regierungspolitiker, darunter Präsident Omar al-Baschir, sind wegen Völkermordes, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen in Darfur vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag zur Fahndung ausgeschrieben.

Einsatz von Chemiewaffen gilt als Kriegsverbrechen

Die OPCW erklärte, man werde den Amnesty-Bericht und andere Informationen untersuchen. Die Organisation mit Sitz in Den Haag überwacht die Einhaltung der Chemiewaffen-Konvention, die den Einsatz, die Produktion und den Besitz chemischer Waffen verbietet. Sudan ist als Mitgliedsstaat zur Einhaltung des Vertrags verpflichtet.

Der Grünen-Außenpolitiker Omid Nouripour nannte den Bericht ein erschreckendes Indiz für ein weiteres Kriegsverbrechen der sudanesischen Regierung. Die internationale Gemeinschaft müsse dafür sorgen, dass den Opfern Hilfe zukomme. Zudem müsse die EU in ihrer Flüchtlingspolitik jegliche Zusammenarbeit mit sudanesischen Sicherheitskräften einstellen.

Laut dem Amnesty-Bericht zeigen Fotos aus der Region Kleinkinder, die unter Atemnot leiden oder Blut spucken. Hunderte Überlebende hätten in den Stunden und Tagen nach den Angriffen Symptome entwickelt, die auf chemische Waffen deuteten.

Der Einsatz von Chemiewaffen ist völkerrechtlich verboten und gilt als Kriegsverbrechen. "Chemische Waffen sind seit Jahrzehnten geächtet, weil das Leid, das sie anrichten, niemals gerechtfertigt werden kann", sagte Amnesty-Expertin Hassan. "Die Tatsache, dass die sudanesische Regierung sie mehrfach gegen ihr eigenes Volk eingesetzt hat, darf nicht ignoriert werden."