Streitgespräch zwischen Katholik Sternberg und AfD-Vize Gauland

Streitgespräch zwischen Katholik Sternberg und AfD-Vize Gauland
Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, beklagt in der politischen Auseinandersetzung eine "Verrohung der Sprache". Taten wie die jüngsten Sprengstoffanschläge in Dresden hätten eine Vorgeschichte und eine Ursache auch im Umgang mit Worten.

"Achten wir darauf, wie wir sprechen", appellierte Sternberg am Dienstagabend in Dresden, wo er bei einem Streitgespräch auf den stellvertretenden AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland traf. Dieser bekräftigte seine Warnungen vor negativen Folgen der Zuwanderung.

Sternberg sagte, es gebe "Begriffe, die verbieten sich, weil sie die Gesellschaft vergiften" - wie etwa "völkisch" aus der NS-Zeit. Er warf der rechtspopulistischen AfD "Spielen mit Begriffen" vor und warnte vor "nationalistischen Anwandlungen". Im Gespräch wies er Argumente von Gauland mehrfach zurück, der die Einwanderung vor allem von Muslimen als ein "zunehmendes Problem" beschrieb. "Wer sich abschottet, hat keine Zukunft", sagte Sternberg. Auch Deutschland sei "extrem angewiesen" auf offene Grenzen und etwa den Export.

Debattieren über Gegenwartsfragen

Sternberg und Gauland diskutierten vor mehreren hundert Menschen unter dem Titel "Angst ums Abendland" in der Katholischen Akademie in Dresden. Das Zentralkomitee hatte im Mai zum 100. Katholikentag in Leipzig das AfD-Spitzenpersonal ausdrücklich von allen Podien ausgeladen. In Dresden hat der neue Akademiedirektor Thomas Arnold eine Reihe unter dem Titel "Kirche kontrovers" ins Leben gerufen. Künftig sollen Menschen mit verschiedenen Positionen über Gegenwartsfragen debattieren. Der 28-jährige Arnold hatte sein Amt am 1. September angetreten.

Gauland sagte, Einwanderung könne "der Beginn einer völligen Veränderung sein, die nicht allein mit Humanität abgewendet werden kann". Sternberg dementierte: "Der christliche Geist verbietet Abgrenzungsstrategien."

Gauland nannte das islamische Rechtssystem (Scharia) eine "unerträgliche Kultur", sagte, dass der Islam nicht zum christlichen Abendland passe und sprach von einer gefürchteten möglichen "Übernahme". "Ich möchte nicht, dass der Kölner Dom eines Tages in eine Moschee umgewandelt wird", sagte der AfD-Politiker.

Sternberg betonte, dass es nur fünf Prozent Muslime in Deutschland gibt und die Behauptung einer gefürchteten "Übernahme" Fantasien und Ängsten entspringe. Zudem warnte er davor, mit Abgrenzung Hass zu schüren.