Kirche und Gedenkstätte erinnern an Pfarrer Oskar Brüsewitz

Mit einer Gedenkveranstaltung ist in der Berliner Zionskirche an die Selbstverbrennung des DDR-Pfarrers Oskar Brüsewitz vor 40 Jahren erinnert worden.

Der Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, beschrieb Brüsewitz am Donnerstagabend als einen "unkonventionellen, mutigen Mann, der mit fast partisanenhaften Methoden gegen die Diktatur der DDR aufgetreten" sei. Er habe nicht nur "den Hass der Mächtigen und Kleinfunktionäre auf sich gezogen", sondern auch der Kirche, die sich mit dem Staat arrangierte, Probleme gemacht. Es sei wichtig, heute an ihn zu erinnern und das Besondere dieses Mannes herauszustellen.

Am Gedenken in der Zionskirche nahm auch die 58-jährige Tochter des Pfarrers Brüsewitz mit ihren drei Kindern teil. Esther Fröbel, die 18 Jahre alt war, als ihr Vater starb, und später selbst Pfarrerin wurde, glaubt, dass es sein "tiefstes Anliegen" war, dass Menschen ihren Glauben leben und ermutigt werden, sich zu bekennen. "Er hat innerlich dafür gebrannt, das Evangelium weiterzugeben."

Großes Kreuz aus Neonröhren

Der evangelische Pfarrer Brüsewitz hatte sich am 18. August 1976 vor der Michaeliskirche in Zeitz (Sachsen-Anhalt) mit Benzin übergossen und angezündet. Auf dem Dach seines Autos hatte er Plakate angebracht. Darauf war zu lesen: "Funkspruch an alle - Funkspruch an alle - Die Kirche in der DDR klagt den Kommunismus an wegen Unterdrückung in Schulen an Kindern und Jugendlichen." Vier Tage später erlag der damals 47 Jahre alte Familienvater in einem Krankenhaus in Halle an der Saale seinen schweren Verletzungen.

Im Gedenken an Brüsewitz wurde am Donnerstag ein großes Kreuz aus Neonröhren an der Zionskirche angebracht und beleuchtet. Dieses soll bis zum 22. August, dem Todestag von Brüsewitz, eingeschaltet bleiben. Es ist dem meterhohen, weithin sichtbaren Neonkreuz nachempfunden, das Brüsewitz damals an seiner Kirche in Rippicha (Burgenlandkreis) in Sachsen-Anhalt installiert und auch damit für Unmut in der Politik gesorgt hatte.

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Die Gedenkveranstaltung wurde von der Stasiopfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen, der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) und der Evangelischen Kirchengemeinde am Weinberg organisiert. Neben Zeitzeugengesprächen, einer Lesung der Autorin und früheren DDR-Bürgerrechtlerin Freya Klier sowie einer Diskussionsrunde stand auch ein Dokumentarfilm auf dem Programm.

Die DDR-Propaganda hatte die Tat des Pfarrers öffentlich als die eines Psychopathen gewertet. Die Kirchen sahen vor allem ihre Politik der Verständigung mit der SED in Gefahr und agierten nicht eindeutig. Sie riefen aber in einem "Wort an die Gemeinden" zur Fürbitte auf.