Marlehn Thieme ist neue Vorsitzende des ZDF-Fernsehrats

Marlehn Thieme ist neue Vorsitzende des ZDF-Fernsehrats
Der ZDF-Fernsehrat hat zum ersten Mal in seiner Geschichte eine weibliche Vorsitzende. Knapp drei Viertel der Fernsehratsmitglieder wählten die 59-jährige Marlehn Thieme zur Nachfolgerin des CDU-Politikers Ruprecht Polenz.

An der Spitze des ZDF-Fernsehrats steht seit Freitag Marlehn Thieme, Vertreterin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Die 59-Jährige wurde in geheimer Wahl mit 36 der 50 abgegebenen Stimmen in Mainz zur Nachfolgerin des früheren CDU-Bundestagsabgeordneten Ruprecht Polenz gewählt. Fünf Mitglieder des Aufsichtsgremiums stimmten mit Nein, außerdem gab es neun Enthaltungen. Die frühere Deutsche-Bank-Direktorin ist Mitglied im Rat der EKD. Sie hatte keinen Gegenkandidaten und ist nun die erste Frau an der Spitze des Fernsehrates.

Polenz war 14 Jahre Vorsitzender

Zu Thiemes Stellvertretern wählten die Mitglieder Wilhelm Schmidt vom Präsidium der Deutschen Arbeiterwohlfahrt, den stellvertretenden Hauptgeschäftsführer des Industrie- und Handelskammertages, Achim Dercks, sowie die Präsidentin der Diakonie Katastrophenhilfe, Cornelia Füllkrug-Weitzel. Ruprecht Polenz war 14 Jahre Vorsitzender des Fernsehrates, dem er künftig nicht mehr angehört.

Auf einer Pressekonferenz im Anschluss an ihre Wahl sagte Thieme, der zur Hälfte mit neuen Mitgliedern zusammengesetzte Fernsehrat werde eine gewisse Zeit benötigen, um als "Mannschaft" zusammenzuwachsen. "Wir sind kleiner, weiblicher und vielfältiger geworden", sagte die neue Vorsitzende, die dem Fernsehrat seit zwölf Jahren angehört.

Gremium wurde verkleinert

Im Mainzer ZDF-Sendezentrum tagte der von 77 auf 60 Mitglieder verkleinerte Fernsehrat erstmals in seiner neuen Zusammensetzung. Das Aufsichtsgremium musste reformiert werden, weil das Bundesverfassungsgericht im März 2014 gefordert hatte, die Quote der Staatsvertreter auf maximal ein Drittel zu reduzieren. Thieme sagte, die Praxis der beiden parteipolitisch gefärbten Freundeskreise werde auch im neuen Fernsehrat fortgeführt. Die informellen Treffen verteidigte sie als Mittel, um den Ablauf der Sitzungen effizienter zu gestalten. Weder handele es sich dabei um "Schattenausschüsse", noch sei die Unabhängigkeit der Mitglieder durch ihre Zugehörigkeit im CDU- oder SPD-nahen Freundeskreis eingeschränkt.

Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm gratulierte Thieme nach der Wahl: "Ihre Urteilssicherheit und ihre Gabe, in langfristigen Perspektiven zu denken, schätze ich sehr."

Diskussion über Böhmermann

Unmittelbar vor dem ersten Zusammentreffen des neuen Fernsehrats hatte das Gremium am Morgen zum letzten Mal in alter Besetzung getagt. Dabei diskutierten die Mitglieder unter anderem über das Erdogan-Schmähgedicht von Jan Böhmermann. Das Vorgehen des Senders, die umstrittene Böhmermann-Sendung aus der ZDF-Mediathek zu löschen, dem Moderator aber im Rechtsstreit mit dem türkischen Staatschef zu unterstützen, wurde von den Gremienmitgliedern begrüßt. "Satire ist wichtig, aber nicht dazu da, Staatskrisen auszulösen", sagte ZDF-Intendant Thomas Bellut.

Er kündigte an, dass der Sender die Zusammenarbeit mit Böhmermann trotz des Streits um das Gedicht fortsetzen werde. Bei der anschließenden Pressekonferenz sagte er, auch künftig solle der Moderator vor allem für ZDFneo tätig sein. Über eine mögliche Arbeit für das ZDF-Hauptprogramm werde derzeit auch gesprochen.