Ethikratschef sieht Versäumnisse bei Arzneiversuchen an Demenzkranken

Die ökumenisch geführte Tagespflege für Demenzpatienten in Sindelfingen macht Gedächtnisübungen für die Patienten.

Foto: epd-bild/Gerhard Baeuerle

Die ökumenisch geführte Tagespflege für Demenzpatienten in Sindelfingen macht Gedächtnisübungen für die Patienten.

Der Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Peter Dabrock, hat der Politik im Streit um die geplante Ausweitung von Arzneitests an Demenzkranken Versäumnisse vorgeworfen.

"Es wäre wichtig gewesen, die mit der Novelle des Arzneimittelgesetzes verbundenen Fragen früher und intensiver in der Gesellschaft zu debattieren", sagte Dabrock dem Berliner "Tagesspiegel" (Montagsausgabe).  Es gehe um ein "ethisches Dilemma", betonte der Theologieprofessor an der Universität Erlangen-Nürnberg.

Zum einen sei der Schutz von physisch oder psychisch besonders verletzlichen Menschen zu gewährleisten. Zum anderen stehe der Gesundheitsschutz für Menschen aus eben dieser Gruppe durch medizinischen Fortschritt auf dem Spiel. "Eine rechtliche Regelung muss versuchen, diese beiden hohen Schutzgüter zu wahren und in eine rechtlich und ethisch verantwortbare Balance zu bringen", unterstrich Dabrock.

Der heftigen Kritik seitens der Kirchen, die vor einer Verzweckung besonders schutzbedürftiger Menschen gewarnt hatten, schloss sich der Ethikrats-Vorsitzende nicht an. Stattdessen verwies er darauf, dass es in dem umstrittenen Gesetzentwurf von Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) "eine Fülle an Bedingungen und Kontrollmechanismen gibt, die diese Verzwecklichung verhindern sollen". Ob das gelinge, müsse nun in der Debatte geklärt werden.

Ablehnend äußerte sich der Theologe allerdings gegenüber dem Vorhaben, den Einfluss der Ethikkommissionen bei der Zulassung solcher Versuche zu schwächen. Klinische Studien benötigten "tiefstes und umfassendes Vertrauen", betonte Dabrock. "Das bindende Votum von exzellent und höchst verantwortlich arbeitenden Ethikkommissionen war bisher das Herzstück dieses Vertrauensmanagements." Wenn man eine Verantwortungsbalance finden wolle, "sollte man auf die Erfolgsgeschichte der Ethikkommissionen nicht unnötig verzichten", so Dabrock.