Sächsische Pfarrer starten Internetforum zu gleichgeschlechtlichen Paaren

Pfarrhaus von Mulda an der Freiberger Mulde im Erzgebirge.

Foto: epd-bild/Rainer Oettel

Pfarrhaus von Mulda an der Freiberger Mulde im Erzgebirge in Sachsen.

Sächsische Pfarrer starten Internetforum zu gleichgeschlechtlichen Paaren
Rund ein Dutzend Pfarrer und Gemeindemitglieder der sächsischen Landeskirche haben ein Online-Forum zur Öffnung der Pfarrhäuser für gleichgeschlechtliche Paare gegründet.

Unter dem Titel "Forum für Gemeinschaft und Theologie" () wollten sie Menschen versammeln, "die sich einen weltoffenen Geist in der sächsischen Landeskirche wünschen", teilten die beiden Dresdner evangelisch-lutherischen Kirchenbezirke am Mittwoch mit. Zudem vermittelt der Internetauftritt zahlreiche Informationen rund um das Thema. Eine erste öffentliche Präsentation des Forums ist am 27. August in der Leipziger Peterskirche geplant.

Zerreißprobe

Hinter der Gründung der Plattform stehen den Angaben zufolge elf sächsische Pfarrer sowie Kirchenmitglieder aus Leipzig, Dresden, Meißen, Wurzen, Stollberg und Schmannewitz. Der Leipziger Pfarrer Christoph Maier erklärte als Sprecher der Initiative: "Die sächsische Landeskirche wirkt in der öffentlichen Wahrnehmung zunehmend isoliert und regressiv." Initiativen innerhalb der Landeskirche wie die sächsische Bekenntnis-Initiative prägten "ein einseitiges, rückwärts gerichtetes Bild, welchem wir ein anderes Verständnis von Kirche und Glauben gegenüberstellen wollen", fügte er hinzu.

Die Debatte um die Öffnung sächsischer Pfarrhäuser für homosexuelle Paare hatte die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens vor eine Zerreißprobe gestellt. Ein mehrjähriger Gesprächsprozess in den Gemeinden wurde 2015 abgeschlossen.

Mehr zu Leben im Pfarrhaus
Anders Amen_ Startbild Video_ Vorstellungsvideo_ Januar 2020
Ellen und Stefanie Radtke leben als lesbisches Pfarrerinnen-Ehepaar in einem kleinen Dorf in Niedersachsen. Im Video nehmen sie uns mit in ihren Alltag in der Gemeinde. Weitere Einblicke gibt es jede Woche auf youtube.
Raus aus dem Pfarrhaus
Ein Pfarrer trennt sich von seiner Frau. Er macht weiter seinen Job - und sie? Die frühere Pfarrfrau hat nicht nur ihre Ehe verloren. Sie verliert einen Teil ihrer Ich-Identität. Zudem meistens Geld, ihre Gemeinde, die Kontakte und die Freunde, die sie dort hatte.


In Sachsen ist ein Zusammenleben homosexueller Theologen in den Pfarrhäusern in Einzelfällen möglich. Der evangelische Landesbischof Carsten Rentzing war wegen seiner Haltung zur Homosexualität in Kritik geraten. Kurz vor seiner Amtseinführung im vergangenen Jahr sagte er in einem Zeitungsinterview, dass eine homosexuelle Lebensweise nicht dem Willen Gottes entspreche.

Ziel des Internetforums sei es, "ein klares und lautes Zeichen für eine aufklärende Theologie, für Offenheit und Vielfalt unserer Kirche" zu setzen. Zugleich wende sich die Initiative gegen eine Diskriminierung von gleichgeschlechtlichen Pfarrer-Paaren. Das Forum möchte nach eigenen Angaben eine breite öffentliche Diskussion zum Thema anstoßen. "Wir wollen Solidarität üben mit Menschen, die aufgrund ihrer Lebenssituation oder Lebensweise von einzelnen Gemeinden ausgegrenzt und diskriminiert werden", heißt es auf der Internetseite.

Die Kommentarfunktion unter diesem Artikel ist seit dem 27. Mai, 20 Uhr, gesperrt. Die Redaktion.