Käßmann: Terroristen mit Beten und Liebe begegnen

Margot Käßmann

Foto: epd-bild/Hanno Gutmann

Käßmann: Terroristen mit Beten und Liebe begegnen
Die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, plädiert dafür, terroristische Gewalt nicht mit Gegengewalt zu beantworten: "Jesus hat eine Herausforderung hinterlassen: Liebet eure Feinde! Betet für die, die euch verfolgen!", sagte die Theologin und Autorin der "Bild am Sonntag". Für Terroristen, die meinen, Menschen im Namen Gottes töten zu dürfen, sei das die größte Provokation. Käßmann: "Wir sollten versuchen, den Terroristen mit Beten und Liebe zu begegnen."

Die Äußerungen haben über die Osterfeiertage im Internet eine kontroverse Debatte ausgelöst. "Es sind starke Worte von Käßmann, die im Netz - wen wundert es - für eine Welle des Hasses sorgen", kommentiert die Online-Zeitung "The Huffington Post". Auf Twitter schreibt ein Nutzer: "'Terroristen mit Liebe begegnen' sagt Margot #Käßmann. Aber das legen Terroristen uns als Schwäche aus. Freiheit muss auch wehrhaft sein."

Zwar sei es der menschliche Instinkt, Rache zu üben, sagte Käßmann der "Bild am Sonntag", aber "auf den Hass nicht mit Hass zu antworten, das ist die Herausforderung". Die größten Persönlichkeiten in der Geschichte seien nicht Stalin, Hitler oder Pol Pot, sondern Martin Luther King, Mahatma Ghandi oder Aung San Suu Kyi, die nicht mit Gewalt reagiert hätten. Als Christin sei sie fest davon überzeugt, dass der der Mächtigere sei, der "den Kreislauf der Gewalt durchbricht": "Jesus wurde unvergesslich, weil er am Kreuz starb und nicht zum Schwert griff."

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Käßmann warnte zudem davor, die Werte der offenen Gesellschaft im Kampf gegen den Terror aufzugeben. "Ja, der Staat muss seine Bürger schützen", sagte sie. Aber was in Europa an Freiheit erreicht worden sei, dürfe nicht eingeschränkt werden. Der Staat müsse hier die "richtige Balance" finden.

Die Reformationsbotschafterin der evangelischen Kirche warb dafür, sich vom Terror nicht einschüchtern zu lassen: "Wir sollten unsere Freude und unseren Stolz darüber zeigen, dass wir leben können, wie wir wollen." Man solle jetzt erst recht "auf die Straße gehen, tanzen, in den Cafés sitzen und Fußballspiele nicht absagen. Damit zeigen wir den Terroristen: Wir lassen uns von euch nicht Angst machen! Wir lassen uns unsere Freiheit nicht nehmen."