In diesem Film aus der sehenswerten Reihe "Unter anderen Umständen" scheint der Fall klar zu sein: Eine junge Frau ist im Verlauf einer Nacht in ihrer einsam am See gelegenen Hütte grausam gequält und mehrfach vergewaltigt worden. Und weil erst kürzlich der verurteilte Vergewaltiger Wolf (Robert Gallinowski) nach zwanzig Jahren Gefängnis in die Freiheit entlassen wurde und ins Dorf zurückgekehrt ist, kocht die Volksseele prompt über. Schon vorher hatte es Proteste und Warnungen gegeben, aber nun rottet sich der Mob regelmäßig vor dem Haus des Mannes zusammen. Ein Mann (Heinrich Peter Brix) tut sich besonders darin hervor, die Menschen anzustacheln. Naturgemäß ermittelt auch die Polizei nicht vorbehaltlos. Allein Jana Winter (Natalia Wörner) misstraut der allzu offenkundigen Indizienkette: Die automatischen Fotoanlage eines Ornithologen (Tilo Prückner) hat einen nächtlichen Schnappschuss gemacht, auf dem Wolf trotz Strumpfmaske mit viel Fantasie zu erkennen ist; außerdem findet sich am Tatort eine der Pillen, die er schluckt, um seine Triebe im Zaum zu halten. Auch die Handschrift des Mörder ähnelt der seinen.
Tilmann P. Gangloff setzt sich seit 40 Jahren als freiberuflicher Medienkritiker unter anderem für "epd medien" mit dem Fernsehen auseinander. Gangloff (geb. 1959) ist Diplom-Journalist, Rheinländer, Vater von drei erwachsenen Kindern und lebt am Bodensee. Er war über 30 Jahre lang Mitglied der Jury für den Grimme-Preis, ist ständiges Mitglied der Jury Kindermedien beim Robert-Geisendörfer-Preis, dem Medienpreis der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), und 2023 mit dem Bert-Donnepp-Preis für Medienpublizistik ausgezeichnet worden.
"Niemand weiß, woher das Böse kommt", heißt es einmal; "und wann es wieder geht." Auch das macht den Reiz jedes Krimis aus: Am Ende ist das Böse besiegt; für diesmal.


