Alternativgipfel diskutiert Auswege aus der G-7-Politik

Alternativgipfel diskutiert Auswege aus der G-7-Politik
Alternativgipfel diskutiert Auswege aus der G7 Politik
Wenn sich am Sonntag die Staats- und Regierungschefs der G-7-Länder auf Schloss Elmau in Oberbayern treffen, kommen dort nach Ansicht des ehemaligen UN-Diplomaten Jean Ziegler nicht die wirklich Mächtigen zusammen. "Die wahre Macht sitzt in den Chefetagen internationaler Großkonzerne", sagte der ehemalige UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung am Mittwochabend beim Alternativgipfel in München.

Bei der Gegenveranstaltung zum G-7-Treffen diskutieren bis Donnerstagabend mehr als 600 Teilnehmer aus vier Kontinenten über Möglichkeiten für eine gerechtere Welt. 

Die Großunternehmen hätten mehr Macht als je ein Kaiser gehabt hatte, erläuterte Ziegler. Ihr einziges Ziel sei Profitmaximierung. In Elmau dagegen träfen sich nur ihre "Ausführungsgehilfen, ihre Handlanger". Die Folgen konzerngetriebener Politik zeigten sich zum Beispiel an den Hungertoten weltweit. "Jedes Kind, das heute verhungert, wird ermordet", sagte Ziegler. Denn es gebe keinen objektiven Mangel mehr an Nahrung, das Problem sei allein der Zugang. Und der lässt sich dem UN-Experten zufolge mithilfe minimaler Strukturreformen ermöglichen - wären da nicht die Interessen der Konzerne.

Für eine "neue, andere, heute noch unbekannte Weltordnung" kämpfen

Als Beispiel nannte Ziegler die Spekulation auf Grundnahrungsmittel. Während Hedgefonds damit "astronomische Gewinne" einführen, verhungerten in den Slums der Welt jedes Mal viele Millionen Kinder mehr, wenn der Reispreis durch die Spekulation explodiere. Doch bisher habe es kein G-7-Land gewagt, sein Börsengesetz entsprechend zu ändern. Dennoch zeigte sich Ziegler hoffnungsvoll und appellierte an die Zivilgesellschaft. Sie müsse aufbrechen, Widerstand leisten und kämpfen für eine "neue, andere, heute noch unbekannte Weltordnung". 

Auch Jayati Ghosh, Wirtschaftsprofessorin aus Indien, rief die Menschen beim Alternativgipfel dazu auf, aktiv zu werden. "Ökonomie ist zu wichtig, um sie den Ökonomen zu überlassen", betonte sie. Die Menschen dürften sich nicht einreden lassen, dass Systeme oder Zustände nicht veränderbar seien. Dass Armut, Hunger oder Klimaerwärmung existieren, werde mittlerweile als "das neue Normale" akzeptiert. Dabei müsse es sie gar nicht geben. Als Ausweg forderte Ghosh, nicht Wirtschaftswachstum zum Maßstab zu machen, sondern die Lebensqualität der Gesamtbevölkerung. "Daran sollten sich Regierungen orientieren und nicht am Bruttosozialprodukt."

"TTIP stoppen, Armut bekämpfen, Klima retten"

Veranstaltet wurde der Alternativgipfel von Umwelt- und Entwicklungsorganisationen. Er war der Auftakt zu einer Reihe von G-7-Gegenveranstaltungen in München und Garmisch-Partenkirchen. Im Anschluss an den Gipfel findet am Donnerstagnachmittag in der Münchner Innenstadt eine Großdemonstration gegen die G-7-Politik statt. Das Motto lautet "TTIP stoppen, Armut bekämpfen, Klima retten". Die Polizei rechnet mit mehr als 15.000 Teilnehmern. Der G-7-Gipfel mit den Staats- und Regierungschefs der USA, Kanadas, Japans, Großbritanniens, Frankreichs, Italiens und Deutschlands findet am 7. und 8. Juni in Elmau statt.

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