Unesco: Schaden an Denkmälern in Nepal

Trümmer des Dharahara-Turm in Kathmandu nach dem schweren Erdbeben in Nepal.

Foto: dpa/Narendra Shrestha

Der 61 Meter hohen Dharahara-Turm in Kathmandu ist durch das schwere Erdbeben eingestürzt.

Unesco: Schaden an Denkmälern in Nepal
Nach dem schweren Erdbeben in Nepal liegt über das Ausmaß der Zerstörung des Weltkulturerbes im Kathmandutal noch kein vollständiges Bild vor.

Die UN-Kulturorganisation Unesco bemühe sich um detaillierte Informationen, sagte Christian Manhart, Direktor des Unesco-Büros in Nepal, am Montag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Derzeit seien indes die meisten Straßen blockiert und das Internet schwach. "Gerade kommt man nur mit dem Fahrrad durch, um die Schäden zu dokumentieren", berichtete Manhart.

Der Durbar-Platz in Kathmandu 2011 (oben) und am 25.04.2015 nach dem verheerenden Erdbeben(unten).

Partner des Unesco-Büros in Kathmandu dokumentierten die Schäden. So sei der Tempel auf dem Durbar-Platz in Kathmandu zu 80 Prozent zerstört sowie der Patan-Durbar-Platz im Stadtzentrum von Lalitpur, einer Stadt zehn Kilometer südwestlich von Kathmandu, zu 50 Prozent. In Bhaktapur, nach Kathmandu und Lalitpur die drittgrößte Stadt im Kathmandutal, seien 40 Prozent der Monumente zerstört.

"Das sind allerdings sehr grobe Schätzungen", fügte Manhart hinzu. Da die Telefonleitungen sehr instabil seien, habe das Unesco-Büro in Nepal einen E-Mail-Verteiler eingerichtet, um die Informationen in den nächsten Tagen zu vervollständigen.

Ein "unvorstellbarer spiritueller Verlust"

Manhart hat große Hoffnung, viele der Monumente wieder aufbauen zu können. "Viele Skulpturen sind nicht zerstört, sondern bloß eingefallen", sagte der Unesco-Repräsentant in Nepal. Auch seien viele Holzbalken ganz und könnten bei der Restaurierung wieder verwendet werden. "Wir haben detailliert die verschiedenen Gebäude, die zum Weltkulturerbe gehören, mit Fotos und Plänen dokumentiert." Auch die genauen Maße der Tempel seien bekannt. "Außerdem ist Nepal reich an Künstlern, die die gleichen Techniken wie die Künstler im 16. Jahrhundert beherrschen. Das ist einzigartig auf der Welt."

Für die Bewohner Nepals sei die teilweise Zerstörung der Monumente ein "unvorstellbarer spiritueller Verlust". "Wenn ich mit den Menschen spreche, haben sie Tränen in den Augen", beschreibt Manhart die Situation in Nepal. "Für die Nepalesen sind das keine Monumente, sondern sie leben mit den Stätten und nutzen die Anlagen bei großen religiösen Festivals."

Im Tal von Kathmandu stehen sieben Weltkulturdenkmäler. Die Erdstöße brachten den 61 Meter hohen Dharahara-Turm in Kathmandu zum Einsturz: Zahlreiche Menschen kamen in den Trümmern des Bauwerks aus dem 18. Jahrhundert ums Leben. Auch der Basantapur-Palast, ein Weltkulturerbe im Zentrum der Hauptstadt neben dem alten Königspalast, wurde zerstört.