Medienpädagogin: Kinderfotos im Internet sind wie Freiwild

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Medienpädagogin: Kinderfotos im Internet sind wie Freiwild
Die Medienpädagogin Kristin Langer warnt davor, Fotos und Filmaufnahmen von Kindern im Internet öffentlich zu posten.

"Im Internet verbreiten sich Fotos ganz schnell. Vielen Eltern ist nicht bewusst, welche Konsequenzen das haben kann", sagte Langer dem Evangelischen Pressedienst. Langer hat für die medienpädagogische Initiative "Schau hin!", die 2003 vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ins Leben gerufen wurde, Gestaltungsvorschläge für Eltern erarbeitet.

Darstellungen, die in der Familie vielleicht lustig seien, träfen im Internet auf ganz unterschiedliche Reaktionen. "Taucht ein Foto einmal im Netz auf, kann es gespeichert werden und jeder kann damit machen, war er will. Das Bild ist dann wie Freiwild", sagte Langer, die Eltern bei der Medienerziehung ihrer Kinder berät. Auch ein Kind, habe das Recht am eigenen Bild. Es gebe ethische Grenzen, was veröffentlicht werden solle. "Die Würde des Kindes wird verletzt, wenn die Darstellung erniedrigend ist."

Viele Eltern verhielten sich mitunter unbedarft und naiv: "Was heute vielleicht lustig erscheint, kann später unerwünschte Konsequenzen nach sich ziehen." Mobbing könne die Heranwachsenden begleiten oder die Kinder könnten sich von den Erziehungsberechtigten hintergangen fühlen. "Eltern rate ich, bevor sie Kinderfotos online stellen, sich darüber bewusst zu sein, was eine Veröffentlichung für die Kinder bedeuten könnte - auch in Zukunft", sagte Langer.

Immer mehr Arbeitgeber informierten sich über den potenziellen Arbeitnehmer im Internet. Tauchten dort peinliche oder kompromittierende Kinderfotos des Bewerbers auf, könne das die Entscheidung des Arbeitgebers beeinflussen. "Der Chef könnte das Signal bekommen: Der Bewerber kommt aus einer Familie, die sehr offen ist und nichts für sich behalten kann. Stellt man so jemanden gerne ein?"

Langer wünscht sich deshalb gerade von jungen Eltern mehr Sensibilität, wenn sie Familienfotos ins Internet stellen. "Wenn man Mutter oder Vater geworden ist, handelt man nicht mehr nur für sich alleine, sondern auch für das eigene Kind und dessen Bedürfnisse." Langer kritisierte einen Hang zur gesteigerten Selbstinszenierung von Eltern im Netz. "Es gibt Eltern, die eifern Prominenten blind hinterher, ohne zu verstehen, dass diese in einer ganz anderen Welt leben."

Langer rät Eltern deshalb, den Zugang zu beschränken oder die Fotos nur auf Festplatten lokal zu speichern. "Und wenn Eltern doch einmal Fotos, zum Beispiel von der Geburtstagsparty, hochladen wollen, dann sollten die Kinder nicht erkennbar sein." Da sei Kreativität gefragt: Mit Sonnenbrille auf, verkleidet oder nachträglich mit Photoshop bearbeiten - "es gibt ganz viele Möglichkeiten, Aufmerksamkeit zu bekommen und trotzdem geschützt im Internet unterwegs zu sein."

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