Autor Breinersdorfer: Kirchen sollten auf Filmschaffende zugehen

Autor Breinersdorfer: Kirchen sollten auf Filmschaffende zugehen
Ungewöhnlicher Aufruf bei der Berlinale: Die Kirchen sollten die Redaktionen der Fernsehsender "geschickt missionieren", empfahl der Drehbuchautor Fred Breinersdorfer.

Drehbuchautor Fred Breinersdorfer hat die Kirchen zu einer stärkeren Zusammenarbeit mit Filmschaffenden aufgefordert. Die Kirchen sollten ihren Wertekanon auch im Film zum ständigen Thema machen, sagte er bei einem ökumenischen Empfang zur Berlinale am Sonntag in Berlin. Filme könnten Werte "in die Herzen der Menschen pflanzen", um Terrorismus, Faschismus, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit zu bekämpfen. Der evangelische Landesbischof Ralf Meister aus Hannover sagte, wie biblische Geschichten würden Kinofilme unterhalten, trösten, ermahnen und hoffen lassen. Nach Worten des katholischen Medienbischofs Gebhard Fürst bietet Kino ein "vertieftes Sich-Einlassen auf die Wirklichkeit, auf Menschen und ihre Geschichten, ihre Sehnsüchte und Ängste".

Breinersdorfer ("Sophie Scholl - Die letzten Tage", "Elser") sagte, die Kriege im Irak und in Afghanistan hätten gezeigt, dass militärische Aktionen den islamistischen Terrorismus nicht gemindert hätten. Es gebe jedoch ein Mittel, das "immer noch viel zu wenig eingesetzt wird: Kunst und Kultur". Mit Blick auf den Film sagte der Drehbuchautor, es gebe viele spannende Themen aus der Bibel und der Kirchengeschichte, "die sich lohnen könnten". Die Filmindustrie suche ständig Stoffe, die Kirchen müssten daher aktiv mit inhaltlichen Angeboten auf Filmschaffende und Fernsehredaktionen zugehen. Die Kirchen hätten in TV-Kontrollgremien großen Einfluss. "Missionieren Sie deshalb geschickt die Redaktionen der Fernsehsender", sagte er an die Kirchenvertreter gewandt.   


Nach Ansicht des Theologen Meister, der 2014 Mitglied der evangelischen Jury beim Filmfest in Venedig war, haben Kinofilme und biblische Geschichten viele Gemeinsamkeiten: "Es entstehen Bilder, die einen nie wieder verlassen werden", sagte er. Auch die biblischen Erzählungen seien nie abstrakt, sondern immer konkret: "Gott selbst war und ist ein wunderbarer Erzähler."

Der Vorsitzende der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Fürst, verwies auf die Flut der medial verbreiteten Bilder, die unsere Wahrnehmung der Welt mitprägten. Als Beispiele nannte er etwa den Torschuss von Mario Götze im Fußball-WM-Finale, die Auseinandersetzungen auf dem Maidan-Platz in der Ukraine und die Videos von Enthauptungen von Gefangenen durch die Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS). Diese konkurrierten zwar möglicherweise mit den Bildern im Kino, doch "wenn ein Film künstlerisch überzeugend gestaltet ist, kommen uns die fiktiven Filmfiguren oft näher als die vielen Menschen, denen wir täglich begegnen".

Der tschechische Filmkritiker und Leiter des Prager Studios des nichtkommerziellen christlichen Fernsehsenders Noe, Lukas Jirsa, stellte die diesjährige Ökumenische Jury zur Berlinale vor, deren Vorsitz er hat. Neben Jirsa sitzen Gustavo Andujar (Kuba), Gregg Brekke (USA), Piet Halma (Niederlande) sowie aus Deutschland Inge Kirsner und Joachim Opahle in der Jury, die ihre Preise am Samstag verkündet. Die Jury prämiert Produktionen, die ein menschliches Verhalten zum Ausdruck bringen, das mit dem Evangelium in Einklang steht, oder die den Zuschauer für spirituelle, menschliche und soziale Werte sensibilisieren.

Bereits am Sonntag vergab die Ökumenische Jury eine Ehrenmedaille an Christel und Hans Strobel für ihre besonderen Verdienste um den Kinderfilm. Das Münchner Ehepaar gründete 1980 die Fachzeitschrift "Kinder- und Jugendfilm Korrespondenz" und gab diese mehr als 35 Jahre lang heraus. Seit 2015 wird die "Kinder- und Jugendfilm Korrespondenz" als Beilage in der katholischen Zeitschrift "Filmdienst" weitergeführt und erschien erstmals zur Berlinale.

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