Religionspädagoge fürchtet Beeinflussung muslimischer Lehrstüle

Religionspädagoge fürchtet Beeinflussung muslimischer Lehrstüle
Jungen Muslimen dürfe nicht befohlen werden, was sie unterrichten dürfen, findet Religionspädagoge Harry Behr. Er kritisiert das Fehlen einer eigenen Meinungsbildung bei vielen muslimischen Theologie-Studierenden.

Der Erlanger Religionspädagoge Harry Harun Behr hat eine Einflussnahme der muslimischen Verbände auf die Lehrstühle für Islamische Theologie kritisiert. Der Versuch der Verbände, "jungen Muslimen zu befehlen, was sie unterrichten dürfen", sei sehr bedenklich, sagte der Professor für Islamische Theologie der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Dienstagsausgabe). "Mir wurde einmal von einem muslimischen Verbandsfunktionär zugerufen, islamische Religionslehrer sollen nicht debattieren, sondern funktionieren", sagte er. Behr befürchtet, dass die Auseinandersetzung um eine Deutungshoheit des Koran in Zukunft noch zunehmen wird.

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Zugleich kritisiert Behr, der selbst zum Islam konvertiert ist, bei vielen muslimischen Theologie-Studenten ein fehlendes wissenschaftliches Interesse. "Die meisten unserer Studenten haben weniger ein akademisches Erkenntnisinteresse, sondern ein religiöses Orientierungsinteresse", sagte er und fügte hinzu: Viele junge Muslime hätten ein "wahnsinniges Bedürfnis, einer religiösen Lehrmeinung zu folgen, statt sich selbst eine zu bilden."

Insbesondere verwies er auf die Aussagen zur Gewalt im Koran. "Vor allem in den Gewalt-Passagen zeigt der Koran seine historische Signatur", sagte er. Der Koran müsse deshalb als "Diskursdokument der Spätantike" gelesen werden, "auch wenn man daran glaubt, dass es das Wort Gottes ist". Nach dem Attentat auf das französische Satiremagazin "Charlie Hebdo", das wiederholt Mohammed-Karikaturen gedruckt hatte, sagte er: "Ich weiß nicht, wie man Mohammed beleidigen kann." Er fügte hinzu: "Kann man Gott beleidigen? Ich finde diese Unterstellung ist eine Beleidigung!"