Missbrauchsbeauftragter Rörig fordert weitere Reformen

Missbrauchsbeauftragter Rörig fordert weitere Reformen
Kostenlose Beratung für Strafverfahren und ein neues Opfer-Entschädigungdgesetz: Der Missbrauchsbeauftragte Johannes-Wilhelm Rörig setzt sich für mehr Übersichtlichkeit und bessere Erfolgsaussichten bei Verfahren von Missbrauchsopfern ein.

Der Missbrauchsbeauftragte Johannes-Wilhelm Rörig rechnet damit, dass bald eine unabhängige Kommission zur Aufarbeitung der Missbrauchsskandale ihre Arbeit aufnehmen kann. Rörig sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Berlin, er habe entsprechende Signale aus dem Bundestag. Union und SPD haben im Koalitionsvertrag vereinbart, eine unabhängige Aufarbeitung sicherzustellen. Sie kämen damit einer langjährigen Forderung der Betroffenen nach. Bisher gibt es nur Aufarbeitungsberichte in der Verantwortung der Kirchen oder einzelner Schulen. Rörig sagte, fünf Jahre nach dem Missbrauchsskandalen wäre die Berufung einer unabhängigen Kommission "ein starkes Signal an die Betroffenen".

Zugleich drang der Beauftragte auf weitere rechtliche Reformen. Missbrauchsopfer die Strafanzeige erstatten wollen, müssten kostenlos über die Chancen und Risiken eines Strafverfahrens beraten werden, insbesondere wenn die Tat lange zurückliege. Reformiert werden müsse auch das Opfer-Entschädigungsgesetz. Es sei veraltet, belaste Missbrauchsopfer mit einem komplizierten Verfahren und ende meistens mit einer Ablehnung dringend benötigter Leistungen, kritisierte Rörig. Fortschritte sieht der Jurist hingegen im Strafrecht. Die Verlängerung der Verjährung von Missbrauchstaten zähle zu den wichtigsten Änderungen, sagte er.

Ende Januar jährt sich zum fünften Mal das Bekanntwerden der Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche. Der damalige Leiter des Berliner Canisius-Kollegs, der Jesuitenpater Klaus Mertes, hatte öffentlich gemacht, dass an der Schule in den 1970er und 80er Jahren Jugendliche sexuell missbraucht worden waren. In der Folge wurde das ganze Ausmaß der Missbrauchsskandale in den Kirchen und anderen Institutionen bekannt und stürzte die katholische Kirche in eine Krise.

Rörig bescheinigte der katholischen Kirche, wichtige Schritte zur Aufarbeitung der Skandale unternommen zu haben. Er bemängelte aber, dass mit den Betroffenen bis heute nicht angemessen und respektvoll umgegangen werde. Die evangelischen Landeskirchen forderte der Missbrauchsbeauftragte auf, dem Beispiel der Nordkirche zu folgen und die Aufarbeitung in den eigenen Reihen voranzutreiben.
 

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